Die Risiken für Banken Der chinesische Immobilienmarkt

Hayden Briscoe ist Director of Asia-Pacific Fixed Incom bei AB (Foto: AB)

Hayden Briscoe ist Director of Asia-Pacific Fixed Incom bei AB (Foto: AB)

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Die Fundamentaldaten des Immobilienmarkts sind bekanntlich noch immer gut. Aber wie steht es um die Risiken für die Banken und den Finanzsektor? Die meisten chinesischen Immobilienkredite stammen von Banken, insgesamt 9 Billionen RMB (1,46 Billionen US-Dollar) Ende 2013 gegenüber 4 Billionen RMB Kredite von Schattenbanken. Dennoch sind die Banken nicht die wichtigste Finanzierungsquelle der Projektentwickler. Fast 70 Prozent ihres Kapitals stammen nicht aus dem Bankensektor, darunter 39 Prozentpunkte Eigenmittel und 28 Prozentpunkte Anzahlungen von Kunden. Bankkredite spielen also keine allzu große Rolle.

Genau das ist aus unserer Sicht der entscheidende Punkt – und zugleich etwas, das viele Investoren möglicherweise übersehen. Der chinesische Immobiliensektor ist nicht wirklich überschuldet, auch wenn sich Angebot und Nachfrage nicht unbedingt im Gleichgewicht befinden.

Für Banken scheinen die Risiken ihres Engagements im Immobiliensektor handhabbar zu sein. In den letzten sechs Jahren machten die Kredite an Immobilien- und Bauunternehmen nur 11-12 Prozent des gesamten Kreditvolumens aus, und auf Wohnimmobilienkredite entfielen nur etwa 14 Prozent. Da der Anteil notleidender Immobilienkredite trotz des Preisrückgangs (Abbildung 1) nicht signifikant gestiegen ist, werden die Banken ihre Immobilienfinanzierungen aller Voraussicht nach nicht zurückfahren. >>Vergrößern
Für sich genommen scheinen die Kredite an den Immobiliensektor und verwandte Branchen nicht beunruhigend. Wenn man aber kommunale Finanzierungsvehikel und Schattenbanken hinzurechnet, könnte das Engagement dennoch beachtlich sein. Dennoch dürften die Banken einen Immobilienmarktcrash gut verkraften, wenn sie ihre notleidenden Kredite dann über mehrere Jahre abschreiben können. Die Risikovorsorge für notleidende Kredite ist hoch (280 Prozent NPL Coverage Ratio Ende 2013), und die Kredite sind sehr rentabel. Weil die Zinsen noch nicht völlig dereguliert sind, können die Banken ihre Einlagenzinsen künstlich niedrig halten.

70 Prozent der Bankerträge entfallen auf eine faktisch sichere Marge. Das Betriebsergebnis vor Rückstellungen beträgt 60 Prozent, und ist damit eines der höchsten weltweit. Kreditverluste konnten bislang von anderen Bilanzpositionen aufgefangen werden, ohne dass Rückstellungen für Ausfälle gebildet werden mussten.

Unseren Analysen zufolge könnte der Anteil der Problemkredite am Kreditportfolio der Banken in einem Jahr um 8-9 Prozent steigen, ohne dass dies die Eigenkapitaldecke gefährden würde. Wenn die Banken ihre Problemkredite über mehrere Jahre abschreiben können, wäre vermutlich ein noch größerer Anstieg verkraftbar.