Die zwei Arten von Eurokrisen

Martin Hüfner von Assénagon

Martin Hüfner von Assénagon

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Gefühlt wird die Eurokrise immer schlimmer. Ständig gibt es neue Brandherde. Kaum ist Zypern in trockenen Tüchern, da sprechen viele von Slowenien als nächstem Kandidaten. Auch von Malta ist die Rede. Es scheint eine Kette ohne Ende.  

Gemessen an den Marktreaktionen ist aber manches entspannter geworden. Rom zahlt an den Kapitalmärkten so wenig Zinsen wie schon lange nicht mehr. Die Aktienkurse in Griechenland sind zuletzt um 12 Prozent gestiegen. Der Euro hat sich auf den Devisenmärkten gefestigt.

Die Kapitalflucht aus den Krisenländern hat sich beruhigt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich die Forderungen der Bundesbank an das Eurosystem (die berüchtigten Target-Salden) verringern, seit September um 20 Prozent oder 160 Milliarden Euro (siehe Grafik).  

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Wie passen diese unterschiedlichen Wahrnehmungen zusammen? Zum Teil liegt es an Irrationalitäten der öffentlichen Meinung. Wir neigen dazu, schlechte Nachrichten stärker zu gewichten als gute. Eine Rolle mag auch spielen, dass wir uns an Eurokrisen ganz einfach gewöhnt haben.  

Der genaue Blick offenbart

Wichtiger ist aber noch etwas anderes. Bei den Eurokrisen in den verschiedenen Ländern handelt es sich um ganz unterschiedliche Phänomene mit jeweils anderen Wirkungen auf die Märkte. Grundsätzlich kann man zwei Prototypen von Eurokrise unterscheiden. Eine vom Typ I und eine vom Typ II.  

Typ I ist entstanden durch die Fixierung der Wechselkurse und die Einführung einer gemeinsamen Geldpolitik. Dadurch mussten die einzelnen Mitglieder der Währungsunion ihre gesamte Wirtschafts- und Finanzpolitik umstellen. Sie mussten sich kompromisslos an Stabilität orientieren. Abwertungen gibt es nicht mehr. Das ist das, was die meisten bei der Eurokrise im Kopf haben. Wer sich nicht an die Maastricht-Regeln hält, gerät in Schwierigkeiten. Siehe Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien, hoffentlich nicht auch Frankreich.

Diese Art von Eurokrise ist extrem gefährlich. Hier geht es um die Existenz der Gemeinschaftswährung entweder in einem Mitgliedsland oder sogar im gesamten Euroraum. Wenn es nicht gelingt, die Wirtschafts- und Finanzpolitik zu verändern und nationale Kompetenzen auf die Gemeinschaftsebene zu verlagern, dann ist die Währungsunion am Ende.

Deshalb reagieren die Märkte in diesen Fällen so sensibel. Glücklicherweise ist in den vergangenen Jahren eine ganze Menge geschehen, um dieser Art von Eurokrise ihre Brisanz zu nehmen. Das honorieren die Märkte. Wenn diese Reformen fortgesetzt werden, bin ich zuversichtlich, dass diese Art von Eurokrisen in Zukunft nicht mehr so oft vorkommen wird.