Digitalisierung „These vom Fintech-Sterben weist klassischen Fehler auf“

Tuomas Toivonen: Der Fintech-Chef sieht Vorteile bei Kooperationen zwischen Start-ups und der traditionellen Finanzbranche. | © Holvi

Tuomas Toivonen: Der Fintech-Chef sieht Vorteile bei Kooperationen zwischen Start-ups und der traditionellen Finanzbranche. Foto: Holvi

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Laut Deutschland-Chefin der HSBC Carola von Schmettow, wird das große Fintech-Sterben kommen. Rund 80 Prozent der Fintechs werden ihrer Meinung nach wieder verschwinden. 

Das bedeutet, vier von fünf der „kleinen Angreifer” traditioneller Banken in Deutschland, werden die nächsten Jahre nicht überstehen und über das Stadium eines Start-ups hinauskommen. Dies liege vor allem daran, dass große Banken oder Finanzunternehmen die jungen Unternehmen schlichtweg „verschlingen”.

Diese Argumentation weist einen klassischen Fehler auf, den viele Vertreter etablierter Unternehmen machen: Neueinsteiger werden nicht ernst genommen. Aus der Perspektive der Big Player sehen die meisten neuen Marktteilnehmer zunächst einmal so aus, als ob sie den großen Konzernen nicht oder nur teilweise nützlich sein könnten.

Kurzfristig stimmt das in den meisten Fällen auch. Viele junge Unternehmen konzentrieren sich vor allem zu Beginn auf Nischen, die die großen Player nicht im Blick haben. Auf lange Sicht entstehen so aber ernstzunehmende Konkurrenten, die auch in andere Märkte drängen.

Angriff ist die beste Verteidigung

Ist das vermeintliche Fintech-Sterben also ein Problem? Nein, keineswegs! Im Gegenteil: es ist in Ordnung, genauso sollte es sein. Denn darum geht es bei Start-ups – den Exit zu schaffen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass etablierte Finanzunternehmen in Zeiten der Digitalisierung aus allen Richtungen mit sehr zielgerichteten Dienstleistungen, die spezifische Kundenprobleme im Finanzdienstleistungssektor lösen, angegriffen werden.

Entsprechend sind sie im Verteidigungsmodus. Die Innovationsgeschwindigkeit hat stark zugenommen, traditionelle Finanzdienstleister müssen Wege finden, um mit diesem Tempo Schritt zu halten und ebenfalls Innovationen zu fördern.

Es ist nur logisch, dass sie zunächst bei den Fintechs nach Antworten und Lösungen suchen. Diese bringen genau die Dynamik und Agilität mit, die die Traditionsunternehmen suchen. Wieso also nicht einfach die disruptiven Herausforder mit ins Boot holen und für beide Seiten eine profitable Geschäftsbeziehung aufbauen?