Digitalisierung im Alltag Drei Trends für ein „einfacheres“ Leben

Die erste Roboter-Bedienung Pakistans in einem Restaurant in Multan: Das Internet der Dinge soll 2020 schon über 20 Millionen Geräte beinhalten | © Getty Images

Die erste Roboter-Bedienung Pakistans in einem Restaurant in Multan: Das Internet der Dinge soll 2020 schon über 20 Millionen Geräte beinhalten Foto: Getty Images

8,4 Milliarden „Dinge“ werden Ende 2017 weltweit mit dem Internet verbunden sein. So die Schätzung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Gartner. Das sind rund 2 Milliarden mehr als Anfang des Jahres ­­– und 2020 sollen es über 20 Milliarden sein. Das Internet der Dinge ist einer der Mega-Trends der Digitalisierung, der unsere Arbeitswelt und unser Alltagsleben in den nächsten Jahren verändern wird. Es bezeichnet die Vernetzung von Gegenständen mit dem Internet. So können diese Geräte nicht nur über Apps von den Besitzern gesteuert werden, sondern auch untereinander kommunizieren und Aufgaben für den Besitzer übernehmen. Laut Gartner sind zurzeit knapp zwei Drittel der mit dem Internet verbundenen Gegenstände dem Verbraucherbereich zuzurechnen. Neben Automobilsystemen kommen hier vor allem Smart-TVs und digitale Set-Top-Boxen zum Einsatz.

Das smarte Zuhause erobert den Massenmarkt

Unter dem Begriff Smart Home wird das Internet der Dinge für den Heimbereich zusammengefasst. Dazu zählt die Fernsteuerung per Smartphone-App von Haushaltsgeräten, der Heizung oder dem Licht. Aber auch der schon fast berühmte Kühlschrank, der automatisch Milch beim Online-Lieferdienst ordern soll, wenn sie aufgebraucht ist. Oder eine Markise, die mit einer Wetter-App kommuniziert und bei Sturm eingefahren wird.

Das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK hat festgestellt, dass auch die Deutschen mehr und mehr nach einem intelligenten Zuhause streben und sieht hier die Entwicklung zu einem Massenmarkt. Den größten Umsatzanteil hat die Unterhaltungselektronik. Gefragt sind ebenfalls vernetzte Haushaltsgeräte, vor allem Waschmaschinen, Staubsauger und Espressovollautomaten, sowie Sicherheitsanwendungen wie vernetzte Überwachungskameras, LED-Lampen oder Rauchmelder.

Sprachsteuerung: Alexa, mach den Rasensprenger an

Ein weiterer aktueller Trend, der auch in den Smart-Home-Bereich hineinreicht, ist die Sprachsteuerung. Das Drücken von Tasten und Schaltern wird überflüssig, es reicht der Zuruf. Da die Fehlerquote bei der Erkennung von natürlicher Sprache in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden konnte, feiert die Sprachsteuerung nun den Einzug ins Alltagsleben. Nach einer repräsentativen Befragung des Branchenverbands Bitkom steuern bereits sechs von zehn Smartphone-Besitzern in Deutschland ihr Gerät auch per Spracheingabe. Die am häufigsten genutzte Funktion ist das Anrufen von Kontakten, gefolgt von dem Verfassen von Textnachrichten.

Nicht nur das Smartphone reagiert auf Zuruf. Digitale Sprachassistenten erobern gerade die heimischen Wohnzimmer. Sie kommen in Form von kleinen Lautsprecherboxen daher. Pionier und Marktführer ist Amazons Echo, der Alexa sprechen lässt. Amazons Sprachassistentin beantwortet Fragen und erledigt auch kleinere Aufgaben. Erste Haushaltsgeräte lassen sich über sie per Sprachbefehl steuern. Dies wird in Zukunft noch stark zunehmen und das Leben zuhause erleichtern. Ebenfalls schon erhältlich ist Google Home, der intelligente Lautsprecher von Google. Ende des Jahres soll Apples HomePod starten. Auch Spielzeughersteller Mattel springt auf den Zug auf und hat Aristotle vorgestellt, einen smarten Lautsprecher für den Nachwuchs.

Bordcomputer am Steuer

Ein dritter Trend führt aus dem Haus hinaus auf die Straße. Die Technologie für selbstfahrende Autos macht enorme Fortschritte. Bis allerdings wirklich Fahrzeuge im Straßenverkehr komplett auf einen Fahrer verzichten können, dürfte noch einige Zeit dauern. Hier ist nicht nur technologisch noch einiges im Argen, auch muss die Akzeptanz von fahrerlosen Autos noch steigen. Darauf arbeiten Hersteller schrittweise hin. Fahrern werden nicht gleich alle Aufgaben abgenommen, aber auf der Autobahn können sie schon mal zwischenzeitlich die Hände vom Lenkrad nehmen. Tempobegrenzungen erkennt der Wagen selbst und drosselt automatisch die Geschwindigkeit. Wann überholt wird, bestimmt der Fahrer noch selbst, das Lenkrad bewegt aber der Bordcomputer. In Stuttgart wird gerade ein Parkhaus getestet, bei dem die Fahrzeuge am Eingang abgegeben werden, sich dann selbstständig einen Parkplatz suchen, und später wieder allein zum Ausgang vorfahren.

Auch wenn man mit dem autonomen Fahren vor allem amerikanische Unternehmen wie Tesla, Apple und Google verbindet, zählt die deutsche Automobilindustrie hier zu den Vorreitern. Jüngst meldete das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, dass 52 Prozent der weltweit angemeldeten Patente in diesem Bereich von deutschen Herstellern gehalten werden.

Autonomes Fahren betrifft ebenfalls die Fußgänger. In der aktuellen globalen Trend-Studie des Ericsson Consumerlabs unter erfahrenen Internetnutzern gab jeder Vierte an, dass er sich als Fußgänger sicherer fühlen würde, wenn alle Auto autonom fahren würden. Und noch sicherer würden sich viele der Befragten fühlen, wenn sie als Fußgänger ebenfalls digitale Unterstützung bekämen und ihr Smartphone sie vor Hindernissen warnt. Auch würde jeder Dritte gern Verkehrsschilder und Ampeln auf dem Fußweg integriert haben – dorthin ist der Blick vom Smartphone nicht ganz so weit.