Digitalisierung in der Medizin „Ab 2018 dürfte es erste Biopsie-Roboter geben“

Stefan Blum, Portfoliomanager Medtech & Services bei Bellevue Asset Management: „Neue Technologien auf dem Medizinmarkt haben ein immenses Marktpotenzial.“

Stefan Blum, Portfoliomanager Medtech & Services bei Bellevue Asset Management: „Neue Technologien auf dem Medizinmarkt haben ein immenses Marktpotenzial.“

Der Durchbruch der digitalen Technologien hält Einzug in unterschiedlichste medizinische Bereiche. Fernüberwachung und miniaturisierte Verfahren zählen ebenso dazu wie die Navigation über bildgebende Verfahren und die Nutzung der Robotik bei chirurgischen Eingriffen. Auch die Datenverarbeitung wird immer effizienter: Cloud-Datenspeicher und Big Data ermöglichen den Zugriff und die Auswertung von immer größeren Datenmengen in Echtzeit.

Roboter verbessern Qualität von Operationen

Vor allem im Bereich chirurgischer Eingriffe vergrößern Roboter die Möglichkeiten der Ärzte. Mit den neuesten Modellen der OP-Roboter können Chirurgen dank hochspezialisierter miniaturisierter OP-Werkzeuge tiefer, verwinkelter und auch präziser arbeiten als bei manuell geführten Eingriffen. Damit könnten manuelle laparoskopische Verfahren in Zukunft auf einfache Eingriffe beschränkt werden. Zudem erhöht sich die Effizienz, da es für mehr Ärzte möglich ist, mit Robotern zu arbeiten, sobald sie einmal eingewiesen wurden.

Auch die Komplexität chirurgischer Eingriffe kann in Zukunft dank neuer Technologien erhöht werden, ermöglicht durch mehrere miteinander kombinierte Bildmodalitäten. Echo, Computertomographie, Ultraschall und 3D-Modellierung gleichzeitig liefern dem behandelnden Personal in Echtzeit wichtige Informationen zur Beschaffenheit von Oberflächen und Organen. Kontrastmittel und spezifische Detektorsysteme ergänzen dieses Gesamtbild durch Analysen von Gewebestrukturen.

Nicht nur Zukunftsmusik

Der erste Biopsie-Roboter dürfte 2018 in den Markt eintreten. Das Gerät wurde erfolgreich getestet in der Biopsie von Lungengewebe, etwa um einen Tumor zu diagnostizieren. Während ein Arzt etwa 30 Minuten benötigt, um die Nadel für die Entnahme richtig zu platzieren, dauert es beim per Robotik gesteuerten Assistenzsystem nur fünf Minuten. Eine Gewebeentnahme könnte in Zukunft sogar ganz obsolet werden, wenn etwa ein Laser-Endomikroskop eingesetzt wird, der mit einer nadeldünnen Sonde an der Spitze eingeführt wird. Über die digitale Datenübertragung wäre dann innerhalb von Sekunden eine Auswertung der Gewebeproben möglich, indem per Video oder Sprachverbindung ein Pathologe zugeschaltet wird.

Für die ersten Produkte dieser Art eröffnet sich ein immenses Marktpotenzial. Auf der Basis von bis zu fünf Millionen Lungenbiopsien, die jährlich in den USA, Europa und in China vorgenommen werden, beziffern Branchenexperten die jährlichen Spitzenumsätze auf bis zu 5 Milliarden US-Dollar. Zu den Pionieren in diesem Bereich zählt die US-Firma Intuitive Surgical.

Transaktionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar

Neben diesen Innovationen spielt die Konsolidierung eine wichtige Rolle als Kurstreiber im Sektor Medtech & Services. Hohe Free-Cashflow-Renditen sorgen für volle Kassen. Auf der anderen Seite sind vor allem kleinere Firmen nicht in der Lage, die steigenden Kosten für eine international flächendeckende Präsenz für Logistik und Vertrieb zu tragen. Allein in diesem Jahr beläuft sich das bisherige Volumen für Transaktionen auf 75 Milliarden US-Dollar. Der Vorjahreswert wurde damit bereits übertroffen.

Die Langzeitperformance untermauert die Werthaltigkeit der Medizintechnik und der Gesundheitsdienstleister. Auf Sicht der letzten zehn Jahre glänzte der Sektor mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von fünf Prozent. Noch besser schnitt er auf der Gewinnseite ab, die im Schnitt ein Plus von zehn Prozent generierte. Damit gehört er als Baustein in jedes diversifizierte Anlegerdepot.