Dividenden-Aktien Eins und eins zusammenzählen – nicht nur bei der Allianz

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

Eine alte Börsenweisheit sagt: „Wenn man der Allianz Geld gibt, dann kauft man besser Aktien des Unternehmens, als dort eine Versicherung abzuschließen.“ Darauf einen Klosterfrau Melissengeist, denn: Nie war dieser Spruch so wertvoll wie heute.

In der vergangenen Woche präsentierte Europas größter Versicherer seine vorläufigen Geschäftszahlen für das Jahr 2016. Die Aktionäre dürfen sich über eine Dividende von 7,60 Euro pro Aktie freuen. Bei einem aktuellen Kurs von rund 160 Euro entspricht dies einer Dividenden-Rendite von knapp 5 Prozent. Und dabei wird nur die Hälfte des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet. Den Rest verwenden die Geldmanager des Versicherungsriesen mangels Anlagealternativen für Aktienrückkäufe.

Für mich ist das im doppelten Sinne ein gutes Zeichen. Zum einen verringert der Konzern damit die Anzahl der am Markt umlaufenden Aktien, was die restlichen Aktien attraktiver macht. Zum anderen gibt das Management ein deutliches Zeichen nach außen „Leute, wir halten unsere eigenen Aktien für unterbewertet und attraktiv, deshalb kaufen wir sie auf.“

In der aktuellen Wirtschaftslage sind die Nachrichten von der Allianz kein Einzelfall. Querbeet durch die großen, börsennotierten deutschen Unternehmen findet man ähnlich gelagerte Fälle. BASF, BMW, Daimler, Münchener Rück und Pro Sieben Sat1 – um nur ein paar Beispiele zu nennen – schütten in den kommenden Monaten ebenfalls Beträge aus, die zwischen 4 und 5 Prozent des aktuellen Börsenwerts liegen. „Dividende ist der neue Zins“ lautet folglich eine Marketing-Botschaft einiger Anbieter von aktienbasierten Produkten.

Hier sehe ich mich allerdings genötigt, den Zeigefinger zur mahnenden Vorsicht zu heben. Eine Dividende ist – im Gegensatz zum Zins – keineswegs garantiert. Und was nutzt mir eine Dividende von 5 Prozent, wenn sich der Kurs der Aktie im darauffolgenden Jahr halbiert, wie es bei Eon und RWE geschehen ist? Von der Deutschen Bank ganz zu schweigen.

Aber auch die Aktionäre der Allianz haben in den vergangenen 30 Jahren ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Und eines zeigt die unten stehende Grafik ganz deutlich: Als „drastisch überbewertet“ kann man das aktuelle Kursbild nicht bezeichnen.