DNB-Manager Karl G. Høgtun über Chancen in Skandinavien „Norwegens Exporteure profitieren von der schwachen Krone“

DNB-Manager Karl G. Høgtun

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DER FONDS: Der dänische Aktienindex OMX Copenhagen 20 hat allein in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 35 Prozent zugelegt. Was treibt ihn an?

Karl G. Høgtun: Auch die anderen nordischen Märkte haben sich gut entwickelt. Der OMX Stockholm 30 stieg um 18 Prozent, der OMX Helsinki 25 um 16 Prozent und der Oslo OBX um 5 Prozent über die vergangenen zwölf Monate. Angetrieben wurden die Börsen durch fallende Risikoprämien und einen stärkeren US-Dollar. In Dänemark haben einige große Unternehmen besonders gut abgeschnitten, zum Beispiel Genmab, Pandora, Vestas, Danske Bank und DSV. Vor allem aber hat das Pharmaunternehmen Novo Nordisk mit einem Kursplus von 60 Prozent und einer starken Gewichtung im Index den OMX Copenhagen 20 nach oben befördert.

Sind skandinavische Aktien jetzt zu teuer?

Wir halten sie für fair bewertet. Auf der einen Seite liegen sie gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis und am Kurs-Gewinn-Verhältnis 15 beziehungsweise 22 Prozent über dem langfristigen Mittel. Auf der anderen Seite liegt die Dividendenrendite mit 3,4 Prozent deutlich über dem Langfristdurchschnitt von 2,5 Prozent. Und im Vergleich zu den Anleihemärkten sind die nordischen Aktienmärkte nahezu günstig.

Norwegen leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Gibt es dort trotzdem attraktive Anlagemöglichkeiten?

Rund ein Fünftel des norwegischen Bruttoinlandsprodukts basiert auf der Ölindustrie, und fast ein Drittel der an der Osloer Börse gehandelten Aktien stammt aus dem Ölbereich. Auf der anderen Seite profitieren jedoch die exportorientierten Unternehmen von der schwachen Norwegischen Krone. Wir finden zum Beispiel attraktive Titel im Bereich der Fischfarmen.

Bieten Norwegens Ölwerte keine interessanten Einstiegschancen?

In unserem Investment-Universum hat der Energiesektor einen Anteil von unter 4 Prozent, das ist noch niedriger als der Anteil im europäischen oder globalen Markt. Wir haben den Sektor untergewichtet, weil wir ein Überangebot im Ölmarkt sehen. Zudem bedeutet der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm, dass rund 40 Millionen Barrel Öl, die zurzeit in Tankschiffen lagern, auf den Markt kommen können. Zudem könnte die iranische Ölproduktion in den nächsten zwei Jahren um eine halbe Million bis eine Million Barrel steigen. Und schließlich hat in unserem Modell der Energiesektor bereits einen höheren Ölpreis berücksichtigt, als die Forward-Kurve erwarten lässt.

Ist die Griechenland-Debatte auch im hohen Norden zu spüren?

Die Auswirkungen dort sind genauso negativ wie für europäische oder globale Aktien. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die griechische Volkswirtschaft klein ist und weniger als 2 Prozent der Wirtschaft der Eurozone ausmacht. Zudem ist die EU diesmal besser vorbereitet, und wir glauben nicht an irgendwelche Ansteckungsgefahren, selbst wenn Griechenland den Euro doch noch verlässt. Leider muss man sagen, dass wir – auch wenn ein weiterer Deal mit Griechenland zustande kommt – die Probleme nur vor uns herschieben, ohne sie wirklich zu lösen.