Immobilienfonds „US-Investments lohnen sich trotz Absicherungskosten“

US-Dollar: Eine Einheit der auch „Greenback“ genannten Währung der Vereinigten Staaten ist aktuell rund 0,86 Euro wert. | © Pixabay

US-Dollar: Eine Einheit der auch „Greenback“ genannten Währung der Vereinigten Staaten ist aktuell rund 0,86 Euro wert. Foto: Pixabay

DAS INVESTMENT: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt wieder bei knapp 3 Prozent. Wie geht es auf Jahressicht weiter mit den US-Treasuries?

Thomas Gütle: Eine Erhöhung der kurzfristigen Zinsen bedeutet nicht automatisch eine Erhöhung der langfristigen Zinsen in gleicher Höhe. Vielmehr kann es zu einer Glättung der Zinsstrukturkurve kommen und diese kann sogar invers werden. In der Vergangenheit folgte auf ein Kippen der Zinsstrukturkurve mit einer gewissen Verzögerung oftmals eine Rezession. Wir gehen davon aus, dass die Zinsen für zehnjährige US-Treasuries leicht von aktuell 3,0 Prozent auf 3,2 bis 3,5 Prozent pro Jahr steigen werden, die Fed aber eine inverse Zinsstrukturkurve vermeiden möchte.

Wie viele Zinsschritte der US-Notenbank Federal Reserve erwarten Sie in diesem Jahr? Und was bedeutet das für Anleger aus dem Euroraum?

Nach der Leitzinserhöhung durch die Fed vom 13. Juni erwarten wir bis Ende 2018 noch zwei weitere Zinsschritte zu jeweils 25 Basispunkten, so dass der Leitzins in den USA dann bei 2,25 bis 2,5 Prozent liegen sollte. Dann könnten bis Mitte 2019 nochmal ein oder zwei Zinsanstiege hinzukommen. Ob die Fed 2019 über einen neutralen Zinssatz hinausgeht, ist aber noch nicht sicher. In der Geldpolitik handelt es sich dabei um den Zinssatz, der die Konjunktur weder bremst noch stimuliert. Er liegt in den USA derzeit bei etwa 2,7 bis 3,0 Prozent.

Mit den steigenden Leitzinsen durch die Fed werden in den USA auch die kurzfristigen Zinsen am Markt steigen. Bei gleichbleibend niedrigen kurzfristigen Euro-Zinsen hätte das zur Folge, dass die Kosten für die Währungsabsicherung, die von dieser Zinsdifferenz abhängig sind, weiter steigen. Natürlich würde sich diese Entwicklung auch wieder umkehren, wenn die Zinsen im Euroraum nachziehen oder vergleichsweise stärker steigen sollten.

Inwiefern würden Sie Anlegern aus dem Euroraum in der derzeitigen Marktsituation empfehlen, Investments im US-Dollarraum abzusichern?

Ein institutioneller Investor sollte sich im gegebenen Kontext zunächst die Frage stellen, ob er überhaupt hedgen möchte. Denn bei den aktuell hohen Kosten für die Währungsabsicherung könnte er unter gleichen Bedingungen – vereinfacht über einen Zeitraum von zehn Jahren – fast 30 Prozent beim Dollar verlieren, ohne schlechter gestellt zu werden als bei einer kompletten Absicherung. Zudem würde er sich Chancen auf Währungsgewinne erhalten.

Allerdings müsste der Anleger eine Währungsprognose für den Dollar erstellen und dies ist bekanntermaßen eine absolute Königsdisziplin im Finanzbereich. Denn Wechselkurse hängen von einer großen Vielzahl von Faktoren ab und sind selbst für erfahrene Analysten sehr schwer prognostizierbar. Sie können in relativ kurzen Zeiträumen große Schwankungen vollziehen.

In Bezug auf den Dollar ist dabei allerdings zu berücksichtigen, dass die USA weltweit die größte Volkswirtschaft sind, eine positive Wachstumsdynamik aufweisen und der US-Dollar nicht nur aktuell die Welt-Leitwährung ist, sondern wohl auch in absehbarer Zeit bleiben wird. Außerdem gelten die USA in Krisen grundsätzlich als „sicherer Hafen“. Bei einem langfristigen Ansatz liegen somit stabile Rahmenbedingungen vor.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es aus unserer Sicht Argumente für und gegen eine Absicherung gibt. Deshalb besprechen wir das Thema individuell mit dem Anleger. Einige Investoren haben allerdings gar nicht die Wahl, da sie aufgrund ihrer Statuten oder regulatorischer Regelungen keine Währungsrisiken eingehen dürfen. Gleichgültig ob man gezwungenermaßen oder freiwillig eine Währungsabsicherung vornimmt; in beiden Fällen ist zu überlegen, wie diese umgesetzt werden soll. Dazu stehen mehrere Strategien und Instrumente zur Verfügung.