Drei Handlungsfelder Fintechs nehmen Asset Management ins Visier

Kristian Buric vom Beratungsunternehmen EGC Eurogroup Consulting

Kristian Buric vom Beratungsunternehmen EGC Eurogroup Consulting

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Nach ersten ernstzunehmenden Erfolgen im Zahlungsverkehr und im Kreditgeschäft nehmen Fintechs Kurs auf weitere Geschäftsbereiche von Finanzdienstleistern. Insbesondere die globale Asset-Management-Industrie sieht sich zunehmender Aktivität innovativer Start-ups ausgesetzt.

Die Suche nach Rendite im Niedrigzinsumfeld sowie zunehmendes Kostenbewusstsein der Anleger verstärken den Trend, alternative Online-Anlagemöglichkeiten zu nutzen. Drei Fintech-Geschäftsmodelle haben sich bereits am Markt etabliert: Robo-Advisory, Social Trading und Crowdfunding.

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Fintechs üben Druck auf Asset Management-Anbieter aus

1. Robo-Advisory:
Fintechs in diesem Geschäftsfeld bieten webbasierte, vergleichsweise günstige und für den Kunden vereinfachte Anlagekonzepte an. Sie werden in der Regel auf Basis von ETFs umgesetzt. Der Anlageprozess und das laufende Portfoliomanagement sind vollautomatisiert, der Kunde wird bezüglich seiner Anlageziele, -präferenzen und -restriktionen befragt und muss daraufhin einem automatisch generierten Portfoliovorschlag zustimmen.

Robo-Advisory-Plattformen in den USA und in Großbritannien können bereits einen beachtlichen Track Record vorweisen. Die Assets under Management der noch jungen Robo-Advisory-Anbieter in den USA belaufen sich derzeit auf mehr als 12 Milliarden US-Dollar, mit steigender Tendenz.

Der Größe nach vergleichbare Anbieter fehlen derzeit noch in Deutschland, jedoch entwickeln sich einige vielversprechende Angebote am deutschen Markt. Dazu zählen beispielsweise Scalable Capital, Vaamo und Ginmon. Eine Expansion der amerikanischen Anbieter nach Deutschland ist perspektivisch wahrscheinlich und dürfte vor allem eine Bedrohung für Publikumsfondsanbieter darstellen, primär im Retail- und Mass-Affluent-Segment.

2. Social Trading:
Beim Social Trading können sich Anleger auf speziellen Web-Plattformen über Anlageideen austauschen, den Anlageentscheidungen erfahrener Anleger folgen und in ihren eigenen Portfolios eins zu eins auf der Plattform nachbilden – so genanntes Mirror Trading. Die Social-Trading-Plattformen nehmen entweder selbst Broker-Funktionen wahr oder bieten eine zertifikatebasierte Abbildung von Portfolios über externe Partner an, zum Beispiel Wikifolio.

Angelegt wird schwerpunktmäßig in Wertpapiere, insbesondere Aktien. Die Vorteile von Social Trading liegen in der Transparenz der Anlagestrategien, der Vielfalt an Anlagekonzepten sowie der geringen Transaktionskosten für die Anleger. Viele Social-Trading-Portale profitieren von der Over-Performance weniger Top-Trader.

Social Trading befindet sich erst in der Anfangsphase einer möglichen Wachstums-Story. Einige bekannte Anbieter, beispielsweise Ayondo, eToro und Wikifolio, sind bereits in Deutschland aktiv. Die Weiterentwicklung der Anlagemethode und Anreizsysteme der Social-Trading-Portale verspricht künftig weitere Zuwächse und dürfte für traditionelle Asset Manager eine zunehmende, wenn auch derzeit noch geringe Bedrohung darstellen.

3. Crowdfunding:
Dieses Geschäftsfeld hat sich in den vergangenen Jahren von einem exotischen Nischenthema zu einer ernstzunehmenden Finanzierungs- und Anlagealternative für Unternehmen und Investoren entwickelt. Fintechs wie die Kreditplattform Lendingclub haben im US-Kreditgeschäft bereits beachtliche Marktanteile erobert.

Investoren können über die Plattform kostengünstig und aufgrund der geringen Mindestbeträge breit diversifiziert in Retail- und Firmenkredite investieren. Einen vergleichbar liquiden Sekundärmarkt für die Kredite, wie er für Inhaberschuldverschreibungen und entsprechende Fonds besteht, gibt es zwar noch nicht. Anleger erlangen so allerdings im Prinzip ein ähnliches Exposure zu Zins- und Kreditrisiken wie es auch High-Yield- oder Mittelstandskreditfonds bieten.

In Deutschland haben sich bereits mehrere Anbieter im fremdkapitalbasierten Crowdfunding positioniert, wie zum Beispiel Lendico oder Auxmoney. Weitere Plattformen stehen bereits in den Startlöchern, so zum Beispiel Creditshelf, die sich mit KMU-Krediten primär an professionelle Investoren wenden.

Auch im eigenkapitalbasierten Crowdfunding haben sich zahlreiche Plattformen – insbesondere für Seed-Finanzierungen – etabliert. Da die im Crowdfunding durchgeführten Transaktionen Primärmarkt-Aktivitäten darstellen, konkurrieren sie allerdings nur indirekt mit Publikumsfonds. Sie stehen damit inhaltlich eher in Konkurrenz zu geschlossenen Fonds oder Spezialfonds, zum Beispiel Private-Equity-, Venture-Capital- und Kreditfonds.

Deutsche Asset Manager sollten  Crowdfunding als Investmentalternative nicht unterschätzen. Sollten größere Crowdlending- und Crowdinvesting-Anbieter nach Deutschland expandieren und sollte sich ein aktiver Sekundärmarkt für Crowdfunding-Investments ausbilden, dürften Anleger künftig mehr Geld in Crowdfunding-Investments anlegen und den traditionellen Fondsanbietern Marktanteile abjagen.