Edelmetalle „Es spricht derzeit nichts gegen Einstieg ins Gold“

Nico Baumbach, Portfoliomanager der beiden Edelmetallfonds Hansagold und Hansawerte, bei der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH.

Nico Baumbach, Portfoliomanager der beiden Edelmetallfonds Hansagold und Hansawerte, bei der Hamburger Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH.

Der Goldpreis hatte Ende September und nach dem Wahlsieg von Donald Trump stark korrigiert. Aus taktischer Sicht: Eine gute Gelegenheit eine Position aufzubauen, oder sollten Investoren aus Ihrer Sicht besser noch abwarten?

Nico Baumbach: Was den Anteil von Gold im Portfolio betrifft, sollte jeder Anleger seine persönliche Wohlfühlquote im Blick haben und versuchen, diese auch konstant zu halten. Das heißt, dass man bei einem steigenden Markt auch mal Gewinne mitnimmt und umgekehrt, wie es jetzt der Fall war, auch durch Zukäufe den Anteil wieder aufstocken kann. Aus unserer Sicht sind alle Argumente, die noch zu Jahresbeginn für ein strategisches Goldinvestment gesprochen haben, weiterhin aktuell. Es spricht also auch aus taktischer Sicht nichts dagegen. Zudem sind wir generell der Ansicht, dass es unabhängig von der Preisentwicklung des Edelmetalls immer Sinn macht, einen bestimmten Anteil Gold im Portfolio zu halten.

Steigende Zinsen - sinkender Goldpreis: Wie eng ist dieser Zusammenhang zurückblickend wirklich? Und welchen Zusammenhang erwarten Sie in den kommenden Monaten und Jahren?

Baumbach: Kräftig steigende Leitzinsen in den USA würden den Goldpreis belasten. Ein solcher Zusammenhang war zumindest in der Vergangenheit zu beobachten. Allerdings bezweifeln wir, dass sich die US-Notenbank Fed zu nachhaltigen Zinsanhebungen in Richtung drei bis vier Prozent durchringt. Es erscheint uns viel wahrscheinlicher, dass die Notenbank-Chefin Janet Yellen ihre Taktik des Ankündigens und Verzögerns fortsetzt. In diesem Fall wäre ein kleinerer Zinsschritt frühestens im Dezember zu erwarten, worauf der Goldmarkt wohl auch nur vorübergehend reagieren würde. Bei einem US-Leitzins von beispielsweise einem halben Prozent blieben die Opportunitätskosten für das Edelmetall nahe null. Den Besitzern von Gold würden so gut wie keine Zinseinkünfte entgehen.

Zinsen, Inflation, Konjunktur, Geopolitik, Angst, Angebot& Nachfrage: Welche dieser Faktoren haben Ihrer Meinung nach in den kommenden Monaten den größten Einfluss auf den Goldpreis? 

Baumbach: Aus unserer Sicht werden die Faktoren Zinsen, Angst und Geopolitik den größten Einfluss auf den Goldpreis haben. Es ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass die von der US-Notenbank Fed geschürten Zinserwartungen extrem auf den Goldpreis einwirken. Diese Reaktionen sehen wir jedoch als überzogen an, auch weil wir nicht an eine große Zinswende glauben. Angst ist immer ein wichtiger Faktor für den Goldpreis und er hängt aktuell zudem eng mit dem Faktor Geopolitik zusammen. Die Flucht in den Dollarraum und die Flucht ins Gold sind typische Anlegerreaktionen. Umgekehrt kann aber auch eine gewisse Sorglosigkeit unter dem Eindruck einer „heilen Welt“ wieder zur Abkehr von Gold führen. Davon dürften wir derzeit allerdings weit entfernt sein.