Eigentor mit Folgen Europäische Aktienmärkte nach dem Brexit

Ufuk Boydak, Vorstand der LOYS AG und Fondsmanager des LOYS Europa System und des LOYS Global L/S

Ufuk Boydak, Vorstand der LOYS AG und Fondsmanager des LOYS Europa System und des LOYS Global L/S

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Wenn ein Favorit aus einem Turnier ausscheidet, sorgt das immer für Aufsehen. Die Gewinnchancen der übrigen Topmannschaften steigen – und vielleicht rückt auch ein Player aus der zweiten Reihe in den Blickpunkt. Anders bei dem durch das britische Referendum angekündigten Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU): Dieser hat europaweit zunächst für Verunsicherung gesorgt und Unsicherheit ist genau das, was die Aktienmärkte nicht mögen. Der Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten mutet vorerst positiv an. Damit schließt sich die Frage an, wie robust die US-amerikanische Wirtschaft ist.

Allerdings kann man noch nicht sagen, welche Auswirkungen der Brexit langfristig auf die Finanzmärkte haben wird. Die Frage nach der richtigen Positionierung in Europa lässt sich aktuell ebenfalls nur schwer beantworten. Aber auch beim Blick über den Atlantik wird es immer unwahrscheinlicher, dass die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen in absehbarer Zeit erhöht. Zudem versuchen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England die Auswirkungen ihrer geldpolitischen Maßnahmen möglichst gering zu halten.

Müssen Anleger einen Öxit und Frexit befürchten?

Die Entwicklung auf den Finanzmärkten hängt aktuell insbesondere von politischen Entscheidungen ab. Der Ausgang der Wahlen in Österreich, Frankreich und Italien dürften Impulse geben. Sollte es zu einer Kettenreaktion kommen, bei der immer mehr EU-Staaten von der Idee eines eigenen Referendums angesteckt werden, dürfte die Unruhe an den Finanzmärkten andauern.    

Zwar haben sich die europäischen Konjunkturdaten im Vorfeld des Referendums leicht gebessert, dem Konsumentenvertrauen kommt allerdings eine größere Bedeutung zu. Trübt sich dieses Vertrauen ein, werden größere Investitionen eher zurückgestellt. Das ist für den Binnenmarkt schädlich und belastet insbesondere Konsumartikelhersteller.

Es bleibt folglich abzuwarten, welche Länder künftig von dem politischen Spiel in der EU profitieren werden. In jedem Fall scheint das Referendum auch ein Signal an die handelnden Personen zu sein, Bürokratie abzubauen und Abstimmungsprozesse zu vereinfachen. Davon würde der europaweite Handel profitieren.