Eigentümergeführte Unternehmen Wo Ingenieure Gabelstapler fahren

Birgitte Olsen, Leiterin Entrepreneur-Strategien bei Bellevue Asset Management: „Eigentümergeführte Unternehmen wirtschaften nachhaltig – sogar über ESG-Kriterien hinaus.“

Birgitte Olsen, Leiterin Entrepreneur-Strategien bei Bellevue Asset Management: „Eigentümergeführte Unternehmen wirtschaften nachhaltig – sogar über ESG-Kriterien hinaus.“

Nachhaltigkeit hat in eigentümergeführten Unternehmen einen wichtigen Stellenwert – und zwar ganz unabhängig von den klassischen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (englisch: Environmental Social Governance, ESG). So sind Eigentümerfamilien typischerweise mit einem Großteil des eigenen Vermögens in ihren Unternehmen investiert, nehmen Führungsverantwortung wahr und kontrollieren das Unternehmen über Einsitz im Management oder Aufsichtsrat. Aus diesem Grund sind sie an der langfristigen Wertentwicklung interessiert. Dazu passt auch der Leitsatz „Denken in Generationen statt in Quartalen“.

Darüber hinaus verfügen familiengeführte Unternehmen in der Regel über ausreichende Kapitalreserven, eine niedrige Verschuldung und kontinuierlich gute Cashflows, um ihr Wachstum zu finanzieren. Dies erlaubt ihnen, auch in konjunkturell schwierigen Zeiten antizyklisch zu agieren, in Innovation zu investieren und neue Absatzmärkte zu erobern. Auch ein opportunistischer Umgang mit Akquisitionen gehört dazu, denn niemand kennt den Markt und ihre Wettbewerber besser als Unternehmen im Eigenbesitz.

Wachstum durch ethische Grundsätze

Inhabergeführte Unternehmen zeichnen sich aber auch durch ein immaterielles Wertesystem aus, in dem Langfristigkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit Lieferanten, Mitarbeitern und Kunden einen hohen Stellenwert haben. So wird in der Krise zwischenzeitlich aus einem Ingenieur ein Gabelstaplerfahrer gemacht, entgegen der prozyklischen „hire & fire“ Mentalität, die manche nicht-familiengeführte Unternehmen an den Tag legen.

Zudem nehmen viele Familienunternehmen eine starke, meist regional geprägte gesellschaftliche Verantwortung wahr. Dies geschieht durch ihr soziales Engagement, etwa durch den Bau von Sportstätten und Ausbildungseinrichtungen oder die Förderung von Kunst und Kultur.

Interessanterweise erfüllen eigentümergeführte Unternehmen vielfach auch klassische ESG-Kriterien. Wenn wir Unternehmen für unsere Entrepreneur-Portfolios auswählen – etwa für den BB Entrepreneur Europe –, nutzen wir traditionelle, fundamentale, quantitative sowie qualitative Kriterien.

Im Zuge der „Entrepreneurial Due Diligence“, einer Überprüfung von Unternehmen auf ihre wirtschaftlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse, werden auch weiche Einflussfaktoren rund um den Eigentümer erfasst. Wir untersuchen hinsichtlich der Nachfolgeproblematik, Motivation der Gründer- und Nachfolgegenerationen, Zweckmäßigkeit der Struktur und Anreiz- und Wertesysteme. Diese Faktoren sind mit ESG-Anforderungen nicht zwingend deckungsgleich, können aber für die weitere Entwicklung und die Krisenresistenz des Unternehmens entscheidend sein.

Eigentümergeführte Unternehmen erzielen stabil Gewinne

Das ist auch für Anleger vorteilhaft: Studien belegen, dass eigentümergeführte Unternehmen über den Zyklus eine vergleichsweise höhere Gewinnstabilität und stärkere operative EBIT-Margen ausweisen. Die EBIT-Marge ist eine Kennzahl, die zeigt, welches operative Ergebnis durch einen Jahresumsatz erzielt worden ist. Dabei wird der Umsatz des Unternehmens vor Steuern und Zinsen (EBIT, englisch: „Earnings before interest and taxes“) zu den Umsatzerlösen ins Verhältnis gesetzt. Ebenso deuten wissenschaftliche Untersuchungen auf einen Performance-Vorteil hin. So verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren der CS Family Business Index gegenüber dem breiten MSCI Weltaktienindex eine jährliche Überschussrendite von rund 2 Prozent.

Bellevue Asset Management zählt zu den Pionieren bei Investments in eigentümergeführte Unternehmen und ist als unabhängige Investmentboutique sogar selbst ein eigentümergeführtes Unternehmen. Seit ihrer Auflegung übertrafen alle Entrepreneur-Strategien nicht nur ihre jeweilige Benchmark, sondern zählten regelmäßig zu den Spitzenfonds in ihrer Vergleichskategorie.