Ein bisschen Frieden Wie sich ETFs und aktives Fondsmanagement ideal vertragen

Besucherin des Apple Park in Cupertino, Kalifornien, klatscht mit Apple-Mitarbeitern ab: Apple ist derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt und damit automatisch die größte Position in US-amerikanischen und globalen Standardaktien-Indizes. | © Getty Images

Besucherin des Apple Park in Cupertino, Kalifornien, klatscht mit Apple-Mitarbeitern ab: Apple ist derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt und damit automatisch die größte Position in US-amerikanischen und globalen Standardaktien-Indizes. Foto: Getty Images

Man kann Warren Buffett so leicht falsch verstehen – wenn man denn will. „Seht her, selbst der legendäre Investor empfiehlt Indexfonds“, jubelte es im Lager der sogenannten passiven Anleger. Und ja, Buffett legte in der Tat seinen Erben nahe, einfach 90 Prozent ihres Geldes in einen Indexfonds (Exchange Traded Fund, kurz ETF) auf den Aktienindex S&P 500 zu packen. Trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit, denn Buffett gab diesen Rat nur jenen, die sich mit Geldanlagen nicht befassen wollen. Alle anderen sollen seiner Meinung nach sehr wohl aktiv anlegen, dabei aber auf die Kosten achten.Es ist ein weiteres Kapitel in einem nun schon Jahre dauernden Streit. Dabei geht es um die Frage, ob Anleger Fonds kaufen sollten, deren Manager ihr Portfolio bewusst zusammenstellen – und Gebühren dafür nehmen. Oder ob Anleger mit einem ETF besser fahren, der einfach einen Aktien- oder Anleihe-Index nachbaut und die Kosten dafür enorm tief hält. Die Diskussion lautet „aktiv oder passiv?“, „entweder-oder?“ – die Bandagen sind hart, die Schadenfreude ist immer wieder groß.

Die Art, wie Worte und Argumente ge- und verdreht werden, erinnert an ideologische Diskussionen wie: katholisch oder evangelisch? Apple oder Microsoft? McDonald’s oder Burger King? Beatles oder Stones? Und es schwingt auch ein ähnlicher Hang zur Intoleranz mit, wie es bei den genannten Beispielen der Fall ist.

Was Anbieter von ETFs und aktiven Fonds zu ihrer Zweigleisigkeit sagen:

Beide Lager haben gute Argumente, beide Lager boxen auch gern mal unter die Gürtellinie oder sind schlicht im Irrtum. So glauben laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Natixis 58 Prozent der deutschen ETF-Investoren, dass Indexfonds nur unterdurchschnittlich riskant sind. Das ist allerdings überhaupt nicht der Fall, vielmehr tragen sie exakt das Marktrisiko in sich.

Man könnte das Kapitulation vor dem Markt nennen

Aber mal zu den harten Fakten: In der Tat zeigen unzählige Studien, wie viele aktive Fondsmanager es nicht schaffen, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Dabei gilt die Regel: Je länger der Zeitraum, je ausgereifter der Markt und je höher die Gebühren, desto eher verfehlen sie das Ziel. Auf Sicht von zehn Jahren sind es bei US-Aktien zum Beispiel über 98 Prozent von ihnen, ermittelte der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices. Wenn also dort jemand die 2-prozentige Chance auf eine Mehrrendite sausen lässt und zu einem ETF greift, könnte man das wahlweise Einsicht nennen oder aber Kapitulation vor dem Markt.

Aber auch das aktive Lager macht ein paar Stiche. So ist es ja gar nicht das Ziel jedes aktiven Managers, den Aktienindex hinter sich zu lassen. Manche sollen geringere Risiken eingehen und dürfen dafür auf Rendite verzichten. Risiken tauchen aber in solchen Vergleichsstatistiken fast nie auf, und der bislang letzte echte Härtetest für Fondsmanager ist neun Jahre her. Das war der Aktiencrash 2008.