Ein Jahr nach der Wurst-Prügelei Daimler-Aktionär fordert Recht auf Nacktheit

Hätte nach Ansicht eines Aktionärs auch nackt zur Hauptversammlung kommen können: Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin | © Getty Images

Hätte nach Ansicht eines Aktionärs auch nackt zur Hauptversammlung kommen können: Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Hauptversammlung am Mittwoch in Berlin Foto: Getty Images

Wilm Diedrich Müller, bekannt für obskure Auftritte bei Firmen wie Allianz SE oder Bayer AG, nutzte die ihm zugeteilte Redezeit zur Kritik am Vorstand, dass in der Einladung zur HV kein "Artgerechtes Erscheinungsbild" genannt wurde. Oder in anderen Worten: man kommt so wie Gott einen schuf.

Er sei dankbar, dass Müller dessen Vorstellung eines artgerechten Erscheinungsbilds nicht direkt in die Tat umgesetzt habe, erwiderte Daimler Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff. "Meine Definition und die der Mehrheit der hier Versammelten, ist eine andere als die Ihre".

Hauptversammlungen in Deutschland können zu einem echten Abenteuer werden, denn jeder Aktionär hat das Recht, Fragen an das Management zu richten. Diese Möglichkeit wird oft dazu benutzt, um weitreichende Beschwerden zu äußern, die nichts mit dem Geschäft des Unternehmens zu tun haben. Dies zieht seriöse und absonderliche Aktivisten auf der Suche nach einem Publikum an und führt oftmals zu bis in die Nacht dauernen Veranstaltungen. Rund 6000 Menschen nahmen an der im Berliner City Cube abgehaltenen Hauptversammlung teil.

Im vergangenen Jahr stritten sich zwei Aktionäre am Buffet über kostenlose Würstchen und lenkten so die Aufmerksamkeit weg vom Rekordergebnis des weltweit größten Herstellers von Luxusfahrzeugen. Die Polizei musste einschreiten, um die Beteiligten zu beruhigen, nachdem ein Mann begonnen hatte, Würstchen einzupacken. Eine Frau beschwerte sich, und die beiden begannen zu streiten.

Müller, der sich selbst als Unternehmer aus einem kleinen Dorf bezeichnet, nimmt jedes Jahr an hunderten Hauptversammlungen teil, berichten lokale Medien. Vor einigen Jahren, so berichtete die Süddeutsche Zeitung, versuchte der 61-jährige aus Neuenburg in Friesland, einen börsennotierten Spirituosenhersteller davon zu überzeugen, Schmiermittel zu produzieren.