Ein Wort zum Englisch-Wort des Jahres 5 nervige Anglizismen aus dem Wording des Finance-Sector

Mag morgens seinen Kaffee zum Laufen: DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms | © Kasper Jensen

Mag morgens seinen Kaffee zum Laufen: DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms Foto: Kasper Jensen

„Influencer – was übersetzt so viel heißt wie ‚Beeinflusser’ – sind die neuen ansteckenden Ekel-Erreger und Belaberungs-Bazillen der Generation Internet“, stellte Satiriker Oliver Kalkofe in einem Beitrag für TV-Spielfilm sehr treffend fest. Es sei ein „Traumberuf für junge Leute ohne eigene Talente, die gerne anderen professionell auf die Eier gehen“. Besser kann man es kaum umschreiben.

Jetzt wird den jungen Menschen, die über Youtube und andere Kanäle anderen Menschen Zeug aufschwatzen, eine neue zweifelhafte Ehre zuteil: „Influencer“ ist der „Anglizismus des Jahres“. Gewählt hat ihn eine Jury aus Wissenschaftlern. „Es ist ein kulturelles Phänomen, das ein Wort braucht“, sagte Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Uni in Berlin zu Medien. „Belaberungs-Bazille“ ließ er dabei offenbar nicht gelten. Auf den Plätzen 2 und 3 landeten übrigens die Datenspeicher-Revolution „Blockchain“ und das nette Wort „nice“.

An dieser Stelle möchte ich eine Brücke in die Finanzwelt bauen, die seit Jahren nicht mehr mit der deutschen Sprache allein auskommt. Sicherlich habe ich mich immer wieder und zuletzt auch Kollege Egon Wachtendorf am Anglo-Bias der Money-Masters abgearbeitet.

Dass nur noch Calls gemacht werden, anstatt zu telefonieren, Reminder statt Erinnerungen versandt werden und sich Business-People meeten, bis sie total busy unter ihrer Workload zusammenbrechen – darauf wollen wir hier gar nicht mehr eingehen. Hier sind einfach mal fünf weitere, echt nervige Anglizismen aus der financial language.

  • Drawdown: Klar, am Markt knallt es immer mal wieder und die Kurse rauschen abwärts. Doch dann von Kursverlusten oder -einbrüchen zu sprechen, wäre zu hart. Drawdown klingt doch gleich viel besser und tut nicht mehr so weh.
  • Business Case: Nein, gemeint ist nicht etwa der Aktenkoffer, den wir morgens mit in die Company nehmen. Vielmehr geht es ums Geschäftsmodell von Unternehmen.
  • Upward Risk: Ins Deutsche übersetzt („Aufwärtsrisiko“), wird schnell klar, wie albern der Begriff ist. Kann es schlecht sein, wenn Kurse steigen? Eigentlich nur dann, wenn man über Shorts (nein, nicht die kurzen Sommerhosen) auf das Gegenteil gewettet hat. Oder an der Tanke, wenn der Benzinpreis mal wieder gestiegen ist.
  • Customer-Relationship-Management: Nach dem Facility Manager (Hausmeister) wohl eine der am schönsten aufgeblasenen Berufsbezeichnungen. Der deutsche Begriff lautet nämlich „Kundenpflege“. Und das entsprechende Personal heißt „Kundenberater“.
  • Human Resources: Bei menschlichen Ressourcen fällt mir unweigerlich der Film „Die Matrix“ ein, in dem Menschen nur noch als Energielieferant gebraucht werden. Der Begriff „Humankapital“ ist Unwort des Jahres 2004, weil er Menschen abwertet. Wie wäre es also mit „Personal“, „Belegschaft“ oder einfach „Mitarbeiter“?

„Multi Asset“, „Soft Closing“, „Performance“, „Benchmark“, „Quantitative Easing“ mit anschließendem „Tapering“ – die Liste könnte noch deutlich länger sein. Aber ich keep es an dieser Stelle lieber ein bisschen short und simpel.

Zeit für ein paar Breaking News. Case closed. Versprochen.