Einsatz von KI-Algorithmen Ersetzen Roboter bald aktive Portfoliomanager?

Tobias Klein ist Gründungspartner und Geschäftsführer Investments der auf quantitative Anlagestrategien spezialisierten Fondsboutique First Private. | © First Private

Tobias Klein ist Gründungspartner und Geschäftsführer Investments der auf quantitative Anlagestrategien spezialisierten Fondsboutique First Private. Foto: First Private

In seinem Roman Qualityland schildert Marc-Uwe Kling gewohnt lakonisch, wie unsere optimierte Zukunft bald aussehen könnte, wenn die Algorithmen die Berechenbarkeit unseres vermeintlich freien Willens endlich ungehindert ausnutzen dürfen. So kommt das tröstende Sixpack Bier bald per Drohne zu uns nach Hause, noch bevor wir das frische Beziehungsende überhaupt so richtig realisiert haben.

Tatsächlich haben jüngste Entwicklungssprünge in der Rechnerleistung den Einsatz erheblich mächtigerer Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) zur Datenanalyse ermöglicht. Das maschinelle Lernen, speziell das Deep Learning hat dadurch zuletzt einige Anwendungen von einer nervig unzuverlässigen Spielerei zum kommerziellen Erfolg werden lassen. Siri und ihre verständigen virtuellen Geschwister und auch das autonome Fahren sind prominente Erfolgsbeispiele.

Die kommerziell mit Abstand wertvollste KI-Leistung ist aber tatsächlich das Erraten von Konsumbedürfnissen zur Platzierung der richtigen Werbung oder dann bald auch gleich unmittelbar zur Testlieferung des Produkts. Ob Fluch oder Verheißung – wir stehen sicher erst am Anfang dieser vermeintlichen Qualitäts-Revolution in der Dienstleistungsindustrie durch die Segnungen der Künstlichen Intelligenz.

Künstliche Intelligenz wird überschätzt

Steht das Portfoliomanagement im Allgemeinen oder das quantitative Portfoliomanagement im Besonderen nun ebenfalls vor einer Revolution durch diese jüngsten Erfolge der KI? Bekommt aktives Portfoliomanagement neben dem Trend zu passiven Anlagen jetzt noch Konkurrenz von Robotern? Eine wohlüberlegte Antwort lautet wie so oft: Ja und Nein.

Bei den kommerziell relevanten KI-Erfolgen der vergangenen Zeit handelte es sich nahezu ausschließlich um die erfolgreiche Automatisierung simpelster menschlicher Fähigkeiten, die selbst ein Kind innerhalb einer Sekunde ohne Anstrengung erledigen kann. Tatsächlich geht es auch beim derzeit viel thematisierten Robo Advice in der Regel nicht um überdurchschnittliche oder gar übermenschliche Beratungsleistungen. Vielmehr zielt das Angebot eher auf die fehlerfreie, kostengünstige Anwendung von Standards, beispielsweise zur Bestimmung der Risikotoleranz oder einer angemessenen strategischen Asset-Allokation.

Die aktiven, taktischen Investmententscheidungen des Portfoliomanagements sind da schon erheblich komplexer. Unser lautes Nein zur Frage, ob nun auch die Künstliche Intelligenz den Portfoliomanagern Konkurrenz macht, beruht aber bereits ganz grundsätzlich auf der Einordnung der KI als Technologie, nämlich als Werkzeug des Portfoliomanagers. Weder Stethoskop noch Magnetresonanztomographie (MRT) haben den Arzt überflüssig gemacht. Genauso wird die Verantwortung für Auswahl und richtigen Einsatz auch modernster Portfoliomanagement-Tools und KI-Algorithmen immer bei einem Menschen liegen.