Emerging Markets: Hier wohnt das Wachstum

Egal ob in Shanghai, Rio de Janeiro oder - wie hier zu sehen - Kalkutta: Adidas-Stores sind omnipräsent auf den Märkten der Schwellenländer. Aber auch in Europa und den USA. Ein Beleg dafür, dass das Geschäftsmodell erfolgreich ist (Foto: Getty Images)

Egal ob in Shanghai, Rio de Janeiro oder - wie hier zu sehen - Kalkutta: Adidas-Stores sind omnipräsent auf den Märkten der Schwellenländer. Aber auch in Europa und den USA. Ein Beleg dafür, dass das Geschäftsmodell erfolgreich ist (Foto: Getty Images)

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Alle kennen Jim O’Neill – den Mann, der für die führenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China das griffige Kürzel Bric erfand. Der Name Antoine van Agtmael dagegen dürfte nur den wenigsten Investoren ein Begriff sein. Zu Unrecht, denn am Aufschwung der Schwellenländer hat der gebürtige Holländer einen beinahe noch größeren Anteil.

Als Ökonom bei der International Finance Corporation, dem privatwirtschaftlichen Arm der Weltbank, hatte van Agtmael Anfang der 80er Jahre die Idee, einen Dritte-Welt-Aktienfonds aufzulegen. Weil diese Bezeichnung aber wenig geeignet erschien, um Kapitalgeber anzulocken, entschied er sich am Ende für den Begriff „Emerging Markets“, im Deutschen die „aufstrebenden Märkte“.

Eine Erfolgsstory nahm ihren Anfang. Wenn van Agtmael der Taufpate ist, dann ist Mark Mobius Pionier, guter Onkel und Sprachrohr der Emerging Markets in einem. Er ist bereits seit Ende der 60erJahre in den Schwellenländern aktiv. Erst auf eigene Rechnung, ab 1987 dann für die Investmentgesellschaft Franklin Templeton und unter anderem als Manager des Templeton Emerging Markets Fund (WKN: 971658).

Trotz dieser langen Zeit wird der heute 76-jährige Schwellenländer-Guru nicht müde, für die Vorzüge der Region zu werben. Warum auch nicht? Das Wirtschaftswachstum ist nach wie vor gut bis überragend. Bis 2017 sagt der Internationale Währungsfonds ein jährliches Plus von 7,7 Prozent voraus. Allen Unkenrufen zum Trotz wird es in China, dem bedeutendsten der Schwellenländer, keine Bruchlandung der Wirtschaft geben.

Vielmehr gehen einige Schwellenländer den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung: weg von der Export- und Investitionswirtschaft, hin zu mehr Binnenkonsum. „Die großen Trends der Zukunft heißen Verstädterung, Infrastruktur und Konsum“, so Mobius.

Störfaktor Volatilität

Wachstum heißt für Anleger aber nichtautomatisch viel Rendite. Die Märkte der Schwellenländer sind volatil. Eine Eigenschaft, die Anleger nicht mögen. „Für Schwellenländer-Investments braucht man einen längeren Atem“, sagt Thomas Gerhardt. Lange Jahre für die DWS tätig, managt er seit 2011 den Edmond de Rothschild Global Emerging (A0MM1X).

Ein Schuldiger für das Auf und Ab der Schwellenmärkte ist schnell gefunden. Die Volatilität sei mitunter Folge der Hot Money genannten Geldströme internationaler Spekulanten. Diese fließen den Emerging Markets schnell zu, aber auch genauso schnell wieder ab. Den normalen Anleger verschreckt das. Denn wann ist das richtige Timing zum Kauf und Verkauf?

„Die Auswirkungen des Hot Money werden oft überschätzt“, hält Robin Koepke, Analyst vom Institute of International Finance, dagegen. Anlegen in den Schwellenländern wird zur Pflicht – alleinschon, um das Risiko zu streuen. Das Problem des Markt-Timings lässt sich nicht lösen. Weder für Fondsmanager noch für Privatanleger.

Ein hilfreicher Indikator bei Investmentfonds kann der maximale Verlust sein, den ein Fondsmanager in den vergangenen Jahren hinnehmen musste. Auch wenn es ein Blick in den Rückspiegel ist, gibt er Aufschluss darüber, wie gut ein Manager in der Krise sein kann.

Wer nicht mit Verlust aus einem Fondsaussteigen will, kann zudem untersuchen, wie lange es in der Vergangenheit gedauert hat, bis der Fonds wieder auf seinem alten Stand notierte.

Die sogenannte Recovery Rate gibt diese Zeitspanne in Börsentagen an. Das beruhigende Ergebnis: In den vergangenen fünf Jahren ließ sich bei den besten Emerging-Markets-Aktienfonds selbst der größte Kursrutsch in ein bis maximal zwei Jahren aussitzen.