Emerging Markets „Indonesiens Wirtschaftsstärke könnte bis 2030 die Volkswirtschaften aller EU-Staaten überholen“

Joko Widodo: Der neue Präsident Indonesiens weckt große Hoffnungen für Südostasien. (Foto: Getty Images)

Joko Widodo: Der neue Präsident Indonesiens weckt große Hoffnungen für Südostasien. (Foto: Getty Images)

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Es gibt vieles, auf das man in Indonesien gespannt sein darf. Das Land hat eine große und junge Bevölkerung, die sich zunehmend urbanisiert. Das heizt den Einkommenszuwachs und den Verbrauch an. Indonesien hat mit mehr als 240 Millionen Einwohnern die viertgrößte Bevölkerung der Welt (Stand: 2013). Über 40 Prozent der Menschen sind jünger als 25 Jahre. Indonesiens ressourcenreiche Wirtschaft ist die sechzehntgrößte der Welt und wird bis 2030 auf den siebten Platz vorrücken, sofern sich der BIP-Wachstumstrend von jährlich 5-6 Prozent fortsetzt.

Erwartungen zufolge wird die indonesische Stadtbevölkerung von 110 Millionen bis 2030 auf über 200 Millionen wachsen. Auch die Konsumausgaben der geschätzten 45 Millionen Indonesier mit mittleren Einkommen steigen rasant. Das bedeutet, die indonesische Wirtschaftsstärke könnte bis 2030 sogar die Volkswirtschaften aller EU-Staaten, einschließlich Deutschland und Großbritannien, überholen. Als bevölkerungsreichste Nation Südostasiens wird der zunehmende Wohlstand des Landes unserer Meinung nach der ganzen Region zugutekommen.

Große Hoffnungen für den „Präsidenten des Volkes“
Der aufgrund seines bescheidenen Hintergrunds und seiner soliden Arbeit als Bürgermeister von Solo und Gouverneur Jakartas als „Präsident des Volkes“ ins Amt gewählte Präsident Joko Widodo (oder „Jokowi“, wie er weithin genannt wird) hat große Hoffnungen geweckt, dass er die Erfolge in diesen Städten auch landesweit erzielen wird. Wir glauben, sein Herz und seine Absichten sind an der richtigen Stelle und er hat ein gutes Kernteam um sich geschart, das ihn unterstützt.

Jokowi, der als politischer Außenseiter gilt, steht allerdings auch einer Reihe von Herausforderungen gegenüber. So auch aus seiner eigenen Partei, der Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens (PDI-P), und einem fragmentierten Parlament. Ein Beispiel ist die Kabinettsbildung: Eine pragmatische Zusammenstellung und eines der stärksten Regierungsteams seit Jahren. Aber einige Kabinettsmitglieder waren nicht seine erste Wahl. Probleme gibt es darüber hinaus mit Korruption und einem Konjunkturrückgang mit doppeltem Defizit (Haushalt und Leistungsbilanz).

Jokowis größte Herausforderung wird es wohl sein, die Erwartungen des Volkes zu erfüllen. Die Kraftstoffzuschüsse, eine Hinterlassenschaft seines Vorgängers Suharto, sind bereits Gegenstand heftiger Debatten. Diese Zuschüsse belaufen sich auf insgesamt etwa 20-25 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das macht etwa 20 Prozent des Haushalts aus. Dem stehen ungefähr 10 Prozent für Infrastruktur und 5 Prozent für das Gesundheitswesen gegenüber. Die Kraftstoffzuschüsse sollten bei ihrer Einführung den Armen zugutekommen. Aber auch die Reichen profitierten, sie haben sich also abgenutzt.

Unserer Meinung nach dürfte eine Reduzierung der Kraftstoffzuschüsse helfen, das Haushaltsdefizit zu verbessern. Die Mittel könnten viel besser für dringend erforderliche Reformen in den Bereichen Infrastruktur, Gesundheitswesen und Bildung aufgewendet werden. Es kam bereits in den Haushaltsjahren 2005/2006 und 2008/2009 sowie erst vor kurzem 2013 zu Erhöhungen der Kraftstoffpreise. Diese wurden über einen Zeitraum von zwei bis neun Monaten von Barzuschüssen für die ärmsten Haushalte begleitet. Wir denken, die politischen Folgen solch einer Reduzierung oder Abschaffung dürften nur kurzfristiger Natur sein – insbesondere angesichts der Popularität des Präsidenten und seiner Fähigkeit die Massen in seinen Bann zu ziehen.