Emerging Markets Weltordnung 2017 - Diese 5 Trends bestimmen die Schwellenländer

Morgan Harting, Manager des Emerging Markets Multi-Asset Portfolios bei AB

Morgan Harting, Manager des Emerging Markets Multi-Asset Portfolios bei AB

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Die protektionistische Agenda des zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump hat Regierungen und Investoren in Schwellenländern gleichermaßen Sorge bereitet. Die Zeichen des auflebenden Populismus und der Abschottung lassen befürchten, dass die Globalisierung den Rückwärtsgang einlegt – zum Nachteil der Schwellenländer, die lange Zeit stark von der Globalisierung profitiert haben.

Doch man muss diese Risiken im Kontext sehen. Die sich verändernde geopolitische Ordnung könnte den Einfluss der USA auf die Entwicklungsländer mindern. Positive inländische Entwicklungen in den Ländern der Emerging Markets könnten den potenziellen Schaden begrenzen, der durch US-Protektionismus entstehen könnte. Und es gibt auch weiterhin Unternehmen in den Schwellenländern, die relativ immun gegenüber der Unsicherheit in den USA sind. Dort finden sich Chancen.

Diese fünf Themen sollten Schwellenländerinvestoren im Auge behalten:

Eine neue Weltordnung

Die geopolitischen Kraftverhältnisse verschieben sich zugunsten der Schwellenländer: China festigt zusehends seine Machtposition in Asien. Russland hat seinen Einfluss in der Ukraine, Ungarn, Bulgarien und mehreren ehemaligen Sowjetrepubliken wieder ausgeweitet, trotz westlicher Sanktionen.

Und auch internationale Organisationen und Institutionen stoßen an ihre Grenzen: Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank sind nicht mehr die einzige Anlaufstelle für Schwellenländer, die eine Notfallfinanzierung benötigen. Die globalen Institutionen tun sich mit der Lösung regionaler Konflikte immer schwerer. Kurz gesagt sind die Schwellenländer weniger stark auf externe Hilfe angewiesen, um Wachstum zu generieren und Notfallmaßnahmen zu ergreifen.

Auf dem Weg zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit

Die Schwellenländer befinden sich auch auf dem Weg zu größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Viele Länder verdanken ihr steigendes Wirtschaftswachstum nicht mehr den Industrieländern – vielmehr wird das Wachstum durch inländische Trends gestützt.

Russland und Brasilien etwa befinden sich im Übergang von Rezession zu Erholung. Ein besseres konjunkturelles Umfeld in vielen Ländern der Emerging Markets könnte unserer Ansicht nach die nachlassende Dynamik in China ausgleichen. Und die Realzinsen sind niedrig genug, um in vielen Schwellenländern stimulierend zu wirken. Auch die Außenbilanzen haben sich signifikant verbessert. Das hat die Abhängigkeit vieler Emerging Markets-Länder von ausländischem Kapital verringert und macht sie auf diese Weise auch weniger anfällig für steigende Zinsen in den Industrieländern.

Lateinamerika entdeckt die Haushaltsdisziplin

Auch auf die Anleihenmärkte wirken sich politische Reformen aus. So in Lateinamerika: In Ländern wie Argentinien und Brasilien gehen die Regierungen endlich gegen die Korruption vor. Nachdem Steuerverschwendung und Raffgier in den Jahren des Rohstoffbooms das Vertrauen der Investoren in die Wirtschaften und Regierungen untergraben hatten, nehmen neue Regierungen heute wirtschaftsfreundliche Reformen in Angriff. Da die Inflation in diesen Ländern wieder in die richtige Richtung tendiert, sind viele Anleihen in der Region mittlerweile wieder attraktiv – Negativbeispiele wie Venezuela sind da eher die Ausnahme.