Ende des EZB-Anleihekaufprogramms Darauf müssen sich Investoren einstellen

EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde bei einem Treffen der G7-Finanzminister in Bari, Italien | © Getty Images

EZB-Präsident Mario Draghi und IWF-Chefin Christine Lagarde bei einem Treffen der G7-Finanzminister in Bari, Italien Foto: Getty Images

Der Einstieg in den Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) steht vor der Tür. EZB-Präsident Mario Draghi wird möglicherweise noch im Oktober den Beginn des sogenannten Tapering ab Anfang 2018 in Aussicht stellen. Die Marktteilnehmer fragen sich, mit welchen Auswirkungen an den Rentenmärkten zu rechnen ist.

Um ein Gefühl für die potenzielle Reaktion zu bekommen, haben wir in die Vergangenheit geschaut und nachgeforscht, wie hoch der Renditerückgang bei der Einführung des quantitativen Lockerungsprogramms (engl.: quantitative easing, QE) im Jahr 2015 war – mit überraschenden Ergebnissen.

Starker Druck auf Anleiherenditen

Laut einer EZB-Analyse sank die gewichtete durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zwischen Juni 2014 und Oktober 2015 – also rund ein halbes Jahr nach Beginn des Anleihekaufprogramms – um 63 Basispunkte. Die Renditen von Staaten mit schwächerer Bonität gaben stärker nach als die Renditen deutscher Bundesanleihen.

Den größten Effekt des Anleihekaufprogramms auf die Renditen maß die EZB jedoch  zwischen September 2014 und Februar 2015, also noch vor Beginn des Programms.

Der Effekt auf die Renditen der Staatsanleihen, der durch den eigentlichen Kauf der Anleihen ausgelöst wurde, wird im Durchschnitt nur auf etwa sieben Basispunkte geschätzt. Die Erfahrung zeigt zudem, dass dieser „Flow-Effekt“ jeweils nur von kurzer Dauer war.

Unter dem Strich ergibt sich somit, dass nicht nur die deutschen Bundesrenditen als Referenzgröße für den europäischen Rentenmarkt, sondern auch die Risikoprämien der anderen Eurozonenstaaten durch das Ankaufprogramm der EZB nach unten verzerrt sind.