Ende des „schmutzigen“ Wachstums AllianceBernstein: China wird zum grünen Riesen

John Lin, Portfolio Manager China Equities beim Asset Manager AllianceBernstein (AB): „Die Mittelklasse wird die schlechten Lebensbedingungen nicht mehr lange akzeptieren“

John Lin, Portfolio Manager China Equities beim Asset Manager AllianceBernstein (AB): „Die Mittelklasse wird die schlechten Lebensbedingungen nicht mehr lange akzeptieren“

„China gibt seinen Fokus auf ‚schmutziges‘ Wachstum auf. Stattdessen setzt das Land verstärkt auf erneuerbare Energien und einen Weg zum wirtschaftlichen Erfolg, der die Umwelt weniger belastet“, so John Lin. „Diese Neuorientierung könnte erhebliche neue Chancen für Aktienanleger schaffen.“

Verbesserung der Lebensbedingungen

„Wir halten diese Kursänderung für dauerhaft“, betont der Experte. Denn: Die Machthaber in Peking haben festgestellt, dass die Verschmutzung in vielen dicht bevölkerten Industriezentren des Landes gefährliche Niveaus erreicht hat. Chinas wachsende Mittelklasse werde diese schlechten Lebensbedingungen nicht mehr lange akzeptieren.

„Oberste Priorität der Regierung ist die Schrumpfung der schmutzigsten Branchen“, ist John Lin überzeugt. Zunächst müssen die Feinpartikelkonzentrationen in der Luft reduziert und die Versorgung mit sauberem Wasser gewährleistet werden. Auch Reformen seien heute leichter umzusetzen: Lokale Parteiführer mit Karriereambitionen müssen sich umfangreichen Tests unterwerfen, Umweltverbesserungen gehören zu den wichtigsten Kriterien, um für Beförderungen in Frage zu kommen. Darüber hinaus sammeln staatliche und private Stellen enorme Geldsummen für die Finanzierung von Umweltprojekten ein. Parallel zu diesen Anstrengungen mache China große Fortschritte in der Umwelttechnologie – Investitionen im Bereich Elektromobilität und Ausrüstung für erneuerbare Energiegewinnung steigen massiv, zudem entwickle das Land zunehmend seine eigenen Technologien um eine nachhaltige Energieerzeugung zu ermöglichen.

Interessante Perspektiven für Aktienanleger

„Die neue Regierungspolitik und der technologische Fortschritt schaffen zwei separate Chancenfelder für Aktienanleger in China“, bekräftigt der Spezialist. Das erste finde sich bei einer Reihe von Unternehmen, die den neuen Appetit des Landes für saubere, alternative Energie bedienen.

Das zweite Chancenfeld enthalte Unternehmen, die zu den am wenigsten verschmutzenden Akteuren in jenen Branchen gehören, die gemeinhin als „dreckig“ angesehen werden. Viele davon werden gut geführt, verfügen über ein attraktives Wachstumspotenzial und werden von ausländischen Investoren noch meist übersehen.