Enteignung der Sparer befürchtet Inflation verstärkt Draghis Deutschland-Problem

EZB-Chef Mario Draghi | © Getty Images

EZB-Chef Mario Draghi Foto: Getty Images

Seit diese Woche ein Anziehen der Inflation in Europas größter Volkswirtschaft bekannt wurde, mehren sich die Kommentare, der Präsident der Europäischen Zentralbank möge seine ultra-lockere Geldpolitik beenden. Von Behauptungen die Sparer werden enteignet bis hin zur Forderung der Bild-Zeitung "Rauf mit den Zinsen". Draghi bekommt erneut den Zorn der verärgerten Deutschen zu spüren, weil der Hüter der Preisstabilität sie im Stich lässt.

"Die Debatte wird lauter, gerade in Deutschland, wo die Menschen gelernt haben die Inflation zu fürchten," meint Stefan Kipar, Ökonom bei der BayernLB. “Man darf dabei aber nicht vergessen, das die EZB ihre Geldpolitik für die gesamte Eurozone auslegt und das selbst in Deutschland der zugrunde liegende Preisdruck moderat bleibt und die Inflation im kommenden Jahr unter 2 Prozent bleiben sollte."

Während die Deutschen noch ins neue Jahr starten, kam bereits am Dienstag eine Erinnerung wie stark die Wirtschaft sich momentan darstellt. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Dezember stärker als erwartet, mit einer Arbeitslosenquote am Tief bei 6 Prozent und einem Rekord-Anstieg bei der Inflation von 0,7 Prozent auf 1,7 Prozent. Während hauptsächlich steigende Energiekosten die Inflation trieben, verteuerten sich auch Lebensmittel und Konsumgüter. Am Freitag veröffentlichte Daten zu Auftragseingängen zeigten eine wiederbelebte Produktions-Nachfrage.

Noch in der ersten Stunde nach Veröffentlichung der Daten forderte Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, die EZB auf, im März ein Ende ihres Bond-Ankaufprogramms in Betracht zu ziehen. Der EZB-Rat hatte vergangenen Monat beschlossen, das Programm noch bis mindestens Ende 2017 fortzuführen.