Erfolgreicher Mittelstand Der Motor des deutschen Wachstums

Uwe Eilers, Frankfurter Vermögen, sieht Unternehmen des deutschen Mittelstands weltweit vorn. | © Frankfurter Vermögen

Uwe Eilers, Frankfurter Vermögen, sieht Unternehmen des deutschen Mittelstands weltweit vorn. Foto: Frankfurter Vermögen

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft sind die deutschen Mittelstandsunternehmen unter den innovativsten in Europa. Dabei glänzen die meist familiengeführten Unternehmen mit einer sehr hohen Eigenkapitalausstattung und fahren einen verantwortungsvollen mittel- und langfristigen Wachstumsansatz.

Spezialisten weltweit vorn

Oft sind es spezialisierte Unternehmen mit globaler Marktführerschaft. Diese Unternehmen sind oft auch an der Börse sehr erfolgreich und deshalb aus Investorensicht langfristig überaus attraktiv.

Es gibt viele mittelständische Unternehmen, die führend in ihrem Marktsegment sind mit Wachstumsraten weit über dem Bruttoinlandsprodukt. Beispiele sind: RIB Software SE, die ERP-Software die überwiegend für den Bausektor entwickeln oder die Gerresheimer, ein Marktführer bei pharmazeutischen Verpackungen. Die genannten Beispiele sind in Märkten mit nur wenigen Mitbewerbern aktiv.

Viele sind an der Börse günstig bewertet, teilweise mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen zehn bis 15. Beispiele dafür finden sich gerade im Einzelhandelssektor. Reizvoll ist für Anleger, dass es sich bei diesen Firmen oft um echte Value-Investments handelt. Um solche Investments zu finden, werden rein fundamentale Daten ausgewertet und die besten Wertpapiere ausgewählt.

Oft sind diese sogenannten Small Caps auch verlässliche Dividendenzahler mit einer guten Dividendenrendite. Das ist gerade in der aktuellen Zeit extrem niedriger Anlei­herenditen attraktiv. So wirft zum Beispiel eine Dürr-Anleihe mit Laufzeit bis 2021 gerade einmal 0,6 Prozent Rendite ab. Die Dividendenrendite beträgt dagegen 2,1 Prozent. Ähnlich bei Hornbach Baumarkt: Die Anleihe mit Laufzeit bis 2020 bietet 0,7 Prozent, die Dividendenrendite beträgt 2,3 Prozent.

Krisen nutzen

Unternehmen in einer Restrukturierungsphase sind ebenfalls für langfristig agierende Investoren überaus interessant. In Krisensituationen können selbst die besten Firmen geraten. Egal, ob zu lange an bestimmte Marktsegmente festgehalten wurde oder externe Ursachen, wie höhere Rohstoffpreise eine Rolle spielen.

Im Vergleich zu Großkonzernen lassen sich Strategieänderungen wesentlich schneller realisieren. Nicht selten wird die komplette Führungsriege kurzfristig ausgetauscht, um die Gesellschaft neu aufzustellen. In solchen Restrukturierungsphasen werden die Weichen für die Zukunft eines angeschlagenen Unternehmens neu gestellt. Ein Beispiel für eine nachhaltige und gelungene Restrukturierung könnte SGL Carbon werden.

Einige Mittelständler sind über die Jahre in unterschiedlichste Richtungen gewachsen. So bildeten sich vereinzelt auch Gemischtwarenläden, die wenig fokussiert Geschäftsbereiche unter einem Dach vereinen. Aufgrund der breiten Diversifikation ist es für das Management schwierig, alle Geschäftsfelder erfolgreich voranzubringen. Damit solche Unternehmen wieder fokussierter agieren können, könnten sie Ziel von sogenannten aktivistischen Investoren werden. Die Gea hat aktuell beispielsweise einen Investor, der die Gesellschaft aufsplitten und dadurch einen deutlichen Mehrwert heben möchte. Ob dies von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten.

Ein Aspekt, der gerade den kleinen Aktiengesellschaften einen besonderen Rendite-Hebel verschafft, ist der Fakt, dass mittelständische Unternehmen deutlich weniger von Analysten beobachtet werden. Die meisten bewerten die größeren Unternehmen. Dabei lassen sie sich schlicht von wirtschaftlichen Überlegungen leiten. Denn in diesem Segment gibt es viel mehr Nachfrage nach Unternehmensbewertungen und entsprechendem Research.

Titel aus dem Schatten holen

Dagegen führen Werte aus dem S-Dax und Tec-Dax oftmals ein Schattendasein. Nur wenige Analysten und eine überschaubare Anzahl von Fondsmanagern beschäftigten sich überhaupt mit diesen Mittelständlern. Aus diesem Grund können relevante Entwicklungen schnell übersehen werden. Das führt manchmal zu Überbewertungen. Viel wahrscheinlicher sind aber Unterbewertungen. Das hat oft Kursabschläge auf den fairen Wert zur Folge, die nicht selten bei 30 bis 40 Prozent liegen. Bei Aktiengesellschaften, die gar nicht in den genannten Indizes enthalten sind, können diese noch gravierender sein.

Fazit: Die Aktiengesellschaften im Segment der Small- und Mid-Caps wachsen langfristig deutlich schneller als die Konzerne im Dax oder gar Euro Stoxx 50. Ebenso werden sie häufiger Ziel von Private-Equity-Investoren und anderen strategischen Übernehmern, was stets mit deutlich steigenden Kursen verbunden ist.

Zudem gibt es unentdeckte Perlen. Darum ist das Segment der kleinen Unternehmen für Privatanleger interessant. Vermutlich wird es im kommenden Jahr noch lukrativer, weil sich noch weniger Analysten aufgrund steigender Regularien mit Unternehmen aus diesem Segment befassen. Im Windschatten der Intransparenz dürften sich Investmentchancen ergeben. Aus Diversifikationsgesichtspunkten bieten sich gute Small-Cap-Mischfonds als Investmentvehikel an.

Autor Uwe Eilers ist Geschäftsführer der Frankfurter Vermögen in Königstein im Taunus.