Erholung mit Fragezeichen Perspektiven für die Weltwirtschaft im Jahr 2016

Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe

Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe

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Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008 behandeln Regierungen und Notenbanken vor allem die Symptome der Krise, anstatt die Ursachen zu bekämpfen, die in einer viel zu hohen Verschuldung liegen. So wurde die Weltwirtschaft in den zurückliegenden Jahren durch massive geldpolitische Stimulation wiederholt auf Wachstumskurs gebracht. Gleichzeitig ist damit eine Spirale sinkender Zinsen und weiter wachsender Verschuldung in Gang gesetzt worden. Zwar konnten seit dem Jahr 2011 größere Einbrüche vermieden werden. Doch der weltwirtschaftliche Aufschwung bleibt fragil. Je nach Regionen bestehen unterschiedliche Risiken, die den Erholungsprozess empfindlich stören können.  China: Gelingt der Umbau des Wachstumsmodells?

Mit zweistelligen Wachstumsraten schloss China im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts zu den führenden Wirtschaftsnationen auf. Der Boom beruhte allerdings maßgeblich auf konjunkturstützenden Maßnahmen der Regierung. Hohe Investitionen in Infrastruktur und Wohnungsbau erwiesen sich mindestens zum Teil als massive Fehlallokationen. Seit 2012 strebt die chinesische Führung deshalb eine wirtschaftliche Entwicklung an, die stärker auf dem privaten Verbrauch im Inland beruht und weniger von hohen Exportüberschüssen und Investitionen abhängig ist. Dies geht einher mit einem Zurückdrängen unrentabler staatlicher Unternehmen und einer Liberalisierung des Finanzdienstleistungssektors – letztere soll auch dem Yuan eine der Größe des Landes angemessene Bedeutung verschaffen.
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Dieser Strukturwandel verläuft nicht reibungslos. Weil das von der politischen Führung ausgegebene Wachstumsziel von etwa 7 Prozent nicht zu erreichen ist, wurde es jüngst auf nurmehr 6,5 Prozent revidiert, was durchaus realistisch erscheint. Grundsätzlich geht hiervon das Signal aus, dass der Umbau der Wirtschaft nicht zugunsten eines stärkeren Wachstums zurückgestellt werden soll. Auch wenn die Senkungen des Leitzinses sowie des Mindestreservesatzes, die Lockerungen der Bedingungen für die Kreditvergabe und die Abwertung der Währung gegenüber dem US-Dollar keine durchschlagende Wirkung zeigten, verfügt die chinesische Führung weiterhin über wirksame geldpolitische und fiskalpolitische Instrumente, um einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aktiv zu begegnen. Die Gefahr eines Total-Absturzes ist daher begrenzt.