Erneuerbare Energien Warum institutionelle Anleger auf Windkraft setzen

Windpark am Kap Ortegal an der Nordküste Galiciens

Windpark am Kap Ortegal an der Nordküste Galiciens

Durch die staatliche Förderung des grünen Stroms waren Windkraft-Investments lange auch für private Kapitalanleger ein Tummelplatz. Doch sorgte die Pleite des Windkraftunternehmens Prokon vor drei Jahren bei zigtausend Kapitalanlegern für einen Schock. Rund 75.000 private Kleinsparer hatten 1,4 Milliarden Euro in Genussrechte von Prokon investiert und 40 Prozent ihres Einsatzes verloren. Das schreckt offenbar auch die Zeichner von geschlossenen Publikumsfonds ab, die in Windmühlen investieren – obwohl Genussrechte und geschlossene Fonds wenig miteinander gemein haben.

Emissionskapital von New-Energy-Fonds im Sinkflug

War die Summe des Emissionskapitals von New-Energy-Fonds im Jahr 2015 mit 32 Millionen Euro schon nicht besonders hoch, so steht im Jahr 2016 für dieses Asset in der Rangliste von Scope Analysis eine Null. Manche Anbieter machen die Politik dafür verantwortlich. „Nach dem Reaktorunglück von Fukushima wurde der Atomausstieg und notwendige Umstieg auf Erneuerbare Energien von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konsequent und erfolgreich vorangetrieben. Deutschland war einer der erfolgreichsten Staaten, sowohl bei Technologie als auch beim Ausbaugrad“, sagt etwa Ottmar Heinen, Geschäftsführer der Lacuna-Gruppe, die in der Vergangenheit unter anderem New-Energy-Fonds für private Kapitalanleger aufgelegt hat. Doch derzeit kippe die Lage. So debattiere die CDU bereits, ob sie mit der Forderung nach einem kompletten Stopp der Förderungen für alternativen Strom in den kommenden Wahlkampf ziehen soll.

Das sehen Anbieter von Beteiligungsmodellen für institutionelle Investoren gelassener. So hat die Commerz Real kürzlich ein Portfolio aus zwei Windenergie-Parks in Brandenburg im Wert von insgesamt etwa 105 Millionen Euro für ihren Spezialfonds „CR Institutional Renewable Energies Fund“ erworben. „Dass wir nach nur drei Monaten im Vertrieb das erste Closing mit einem Drittel des Fondsvolumens realisieren können, zeigt einmal mehr das anhaltende Interesse institutioneller Investoren für professionell gemanagte Anlagen in erneuerbare Energien“, so Johannes Anschott, im Vorstand der Commerz Real verantwortlich für das institutionelle Geschäft. Der als geschlossener Spezial-AIF konzipierte „CR Institutional Renewable Energies Fund“ wurde im Herbst 2016 gestartet und soll ein Portfolio aus Onshore-Windparks mit Schwerpunkt in Deutschland und einem Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro für professionelle und semiprofessionelle Anleger aufbauen.

Ebenfalls in Deutschland investiert die Hansainvest. Sie hat mit dem Ankauf von fünf Windparks in Sachsen-Anhalt und Brandenburg ihr bereits bestehendes Windparkportfolio erweitert. Geschäftsführer Nicholas Brinkmann bewertet den Markt trotz gesunkener Einspeisevergütungen als attraktiv: „Es ist uns erneut gelungen, in einem immer stärker umkämpften Markt ein qualitativ hochwertiges Portfolio zu erwerben. Investitionen in deutsche Windenergieanlagen sind durch die langjährige fixe Einspeisevergütung unabhängig von den Weltmärkten und bieten somit ein unkorreliertes Asset.“

Windkraft – Stromerzeugung in Deutschland

Die Windkraft trägt den höchsten Anteil am sauber erzeugten Strom, der in Deutschland insgesamt 30 Prozent der gesamten Produktion ausmacht. Von den 194 Milliarden mit erneuerbaren Ressourcen produzierten Kilowattstunden kommt die Windenergie mit 86 Milliarden Kilowattstunden auf 44 Prozent. Das reicht rein rechnerisch aus, um 25 Millionen Drei-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen.

Bruttostromerzeugung aus Windkraft in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2016 (in Terawattstunden). Quelle: Statistisches Bundesamt

Eine ähnliche Meinung hat Aquila dazu. „Windprojekte an geeigneten Standorten in Deutschland – insbesondere mit einem für professionelle Investments geeigneten Projektvolumen – sind stark nachgefragt“, sagt Michaela von Grafenstein, Investment Head Real Asset Group von Aquila Capital. Mit einer installierten Leistung von 34 MW beziehungsweise 46 MW hat das Unternehmen zwei Anlagen gekauft, die im eher kleinteiligen Windmarkt Deutschland verhältnismäßig groß sind.

Die KGAL Gruppe schaut sich derzeit außerhalb Deutschlands um. Sie hat zwei Windparks mit einer Größe von 15,4 MW in Südschweden gekauft und setzt damit ihre Positionierung in Nordeuropa fort. Bereits Ende 2015 hat KGAL mit dem Kauf des finnischen Windparks Silovuori den Markteinstieg in Skandinavien realisiert. Und die Chorus Clean Energy hat kürzlich ein Portfolios aus vier Windparks mit einer Gesamtleistung von 62,2 Megawatt in der Region Poitou-Charentes im Westen Frankreichs übernommen.

Bislang verlassen sich die Investoren auf die staatlich regulierten Vergütungen für Strom aus Windkraft und andere alternative Energiequellen, doch drängen sich geänderte Konzepte auf. Die Ratingagentur Scope etwa ist verhalten optimistisch: „Der grundsätzliche positive Ausblick wird vor allem durch Unsicherheiten in Bezug auf Einspeisevergütungen eingetrübt“, schreibt das Unternehmen in seinem Ausblick. „Der zunehmende Einsatz von langfristigen Stromabnahmeverträgen mit bonitätsstarken gewerblichen Abnehmern mindert Risiken.“ Scope erwartet, dass erneuerbare Energien-Projekte ihre Leistung künftig verstärkt direkt an gewerbliche oder industrielle Nutzer verkaufen werden.