Ernst Konrad: Was Anleger, Europa und die USA jetzt noch tun können

Ernst Konrad

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Nach den Erfahrungen der letzten Wochen fragen sich viele Investoren, welche Botschaft die Finanzmärkte mit ihren Tumulten und Panikreaktionen eigentlich übermitteln wollen. Auf einen Nenner gebracht lautet sie: Misstrauen gegenüber der Politik, die aktuellen Probleme lösen zu können.

Und diese Probleme sind vielfältig: eine deutlicher als auch von uns erwartete Abschwächung der Konjunktur in den USA und Europa, die ungelöste Eurokrise mit ihren bedrohlichen Auswirkungen auf das ganze Finanzsystem und nicht zuletzt die Flucht aus allen risikobehafteten Vermögenswerten hinein in vermeintlich sichere Häfen.

Dabei wäre gerade in der aktuellen Situation politische Führung nötig, um durch ein ähnlich entschlossenes Handeln wie im Herbst 2008 Haushalten, Unternehmen, aber auch den Akteuren auf den Finanzmärkten wieder mehr Sicherheit für ihre Entscheidungen zu geben.

Leider sieht es derzeit nicht danach aus: Die USA sind durch einen Kulturkampf zwischen einem demokratischen Präsidenten und einem republikanisch dominierten Kongress nur beschränkt handlungsfähig, wie man an dem erst in letzter Minute abgewendeten Staatsbankrott Anfang August sehen konnte. In der Eurozone jagen die Politiker von einem Rettungspaket zum nächsten, anstatt sich um die Behebung der mittlerweile offen zu Tage getretenen Konstruktionsfehler der Währungsunion zu kümmern. Glücklicherweise gibt es noch die Notenbanken, die trotz harscher und vielfach ungerechtfertigter Kritik, einen Teil der eigentlich von der Politik zu erledigenden Aufgaben übernommen haben.

Konjunktur im „stall-speed-Modus“

Zyniker behaupten, es bestünde kein Risiko für einen erneuten Rückfall der westlichen Industrieländer in eine Rezession („double dip“), da die Rezession der Jahre 2009/10 noch gar nicht überwunden sei. Tatsächlich hat von den großen Industrieländern nur Deutschland im zweiten Quartal 2011 eine leicht höhere Wirtschaftsleistung gehabt als im vierten Quartal 2007, während die Erholung in Großbritannien, Italien und Japan besonders schwach ausgefallen ist (siehe beistehende Grafik).

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Nur Deutschland hat das Niveau der Wirtschaftsleistung vor Beginn der Krise wieder erreicht

Wenn aber nach einem derart starken Einbruch die Wirtschaftsleistung nach mittlerweile über 3 Jahren bestenfalls ihren Ausgangspunkt wieder erreicht hat, fällt es schwer, von einer nachhaltigen Erholung zu sprechen. Dies gilt besonders für die USA, wo die Arbeitslosenquote mit über 9 Prozent doppelt so hoch ist wie vor dem Ausbruch der Krise. In Deutschland fühlt sich die aktuelle Lage besser an, da die Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent Anfang 2008 auf inzwischen 6,1 Prozent zurückgegangen ist.