Es brennt noch Licht Trendwende am Rohstoffmarkt

Ein Ölarbeiter überwacht einen Bohrversuch bei Watford City, North Dakota: Vom derzeitigen Schieferöl-Boom in dem US-Bundesstaat profitieren viele Energieunternehmen (Foto: Getty Images)

Ein Ölarbeiter überwacht einen Bohrversuch bei Watford City, North Dakota: Vom derzeitigen Schieferöl-Boom in dem US-Bundesstaat profitieren viele Energieunternehmen (Foto: Getty Images)

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Wer momentan an den Rohstoffmärkten Trends erkennen will, muss schon genau hinschauen. Beispiel Öl und Gold: Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis zeitweise um mehr als 12 Prozent gestiegen, der Preis für ein Barrel Nordsee-Öl dagegen um knapp 2 Prozent gesunken. „Trotzdem sehen viele Anleger gegenwärtig eher Öl als Gold als Absicherung gegen politische Krisen“, meint Frank Schallenberger, Leiter der Rohstoff-Analyse der LBBW, deren Tochter LBBW Asset Management die Fonds Rohstoffe 1 (WKN: A0NAUG) und Rohstoffe 2 L/S (A0X97E) am Markt hat. Zu sehen sei das an der Statistik der US-Behörde Commodity Futures Trading Commission für Öl-Terminkontrakte: „Seit 2012 ist der Wert der Long-Positionen von Öl-Kontrakten um 20 Milliarden auf ein Rekordhoch von 30 Milliarden Dollar gestiegen.“ Die Zahl der Gold-Kontrakte hingegen fiel seit 2011 von 225.000 auf weniger als 10.000 im Dezember 2013. Trotz des massiv gestiegenen Angebots durch die Schieferölförderung der USA hält sich der Ölpreis seit drei Jahren äußerst stabil. Die Drei-Jahres-Volatilität des Rohöl-Indizes von S&P GSCI liegt derzeit mit 24,3 Prozent auf seinem Zehn-Jahres-Tief. Vom im Mai 2010 erreichten Zehn-Jahres-Hoch von 43,0 Prozent ist sie weit entfernt. „Dem höheren Angebot aus den USA steht ein Rekordwert bei den Produktionsausfällen entgegen“, erläutert Schallenberger. „Von den derzeit weltweit täglich benötigten 90 Millionen Barrel Öl fallen durch die Krisen in Libyen, Iran, Irak, Russland und Venezuela rund 3 Millionen Barrel aus.“ Der Superzyklus lebt Die besonderen Marktzusammenhänge beim Öl sind ein gutes Beispiel für viele andere Rohstoffe. „Die Zeiten des Superzyklus, in dem alle Rohstoffpreise Jahr für Jahr steigen, sind vorbei“, sagt Pieter Busscher, Manager des Robeco SAM Smart Materials (A0BL6T). „Das Volumenwachstum bei Rohstoffen setzt sich nicht automatisch in höhere Preise um.“

Dem pflichtet Eugen Weinberg, Leiter des Rohstoff-Researchs der Commerzbank, bei und ergänzt: „Das heißt aber nicht, dass der Zyklus vorbei ist. Vielmehr ist er reifer geworden.“ Anleger müssten künftig die Rohstoffmärkte viel differenzierter beurteilen. Beispiel Nickel: Einer der größten Produzenten ist Indonesien mit einem Weltmarktanteil von 8 Prozent. Da die Regierung den Export von unbearbeitetem Nickel seit Anfang des Jahres verbietet, entsteht ein Angebotsengpass. Bis die verarbeitende Infrastruktur im Land entstanden ist, vergehen zudem drei bis vier Jahre.

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Schallenberger bleibt vorsichtig: „Gerade politisch bedingte Marktverzerrungen können sich schnell wieder auflösen, sobald die Politik zurückrudert.“ Trotzdem sieht der LBBW-Analyst beim Nickel- und Aluminiumpreis mittlerweile ein so niedriges Preisniveau erreicht, dass sich bald ein Boden bilden müsse. „Für mich sind solche strukturellen Verwerfungen viel wichtiger als die der Politik.“ Aktives Fondsmanagement, sowohl bei Rohstoff-Fonds als auch bei Aktienfonds, die sich an Rohstoffunternehmen beteiligen, dürfte künftig wichtiger werden. Bei LBBW Asset Management versucht man dabei unter anderem, von Rollgewinnen an den Terminmärkten zu profitieren. Diese entstehen, wenn ein Rohstoff gerade so knapp ist, dass der tagesaktuelle Preis über jenem für länger laufende Futures liegt. Zudem deutet die Knappheit darauf hin, dass sich der Preis eines Rohstoffs künftig eher überdurchschnittlich entwickeln werde. Bei LBBW zieht man seine Informationen also vor allem aus den Terminkurven der Rohstoffmärkte. Doch letztlich spielen auch fundamentale Daten eine Rolle. Und die sehen derzeit gar nicht mal schlecht aus. Die wieder anziehende Weltwirtschaft – Weltbank und IWF gehen von einem Wachstum von 3,2 sowie 3,7 Prozent für 2014 aus – stimmt auch für die Rohstoffmärkte positiv. Zumal die schwächelnden Wachstumszahlen Chinas schnell in die Irre führen können. „Chinas Wachstum von 7,5 Prozent für 2014 entspricht im Vergleich zum Jahr 2008 einem 12-prozentigen Anstieg der Rohstoffnachfrage“, erklärt Joachim Berlenbach, Gründer der Earth Resource Investment Group und Berater der Rohstoff-Aktienfonds Earth Gold UI (A0Q2SD) und Earth Exploration UI (A0J3UF).

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Schallenberger dazu: „Gerade bei Basismetallen, bei denen Chinas Anteil an der Weltnachfrage bei 40 Prozent liegt, hat das Wirtschaftswachstum des Landes großen Einfluss auf die Preisbildung. Die Nachfrage wird auch künftig massiv sein.“ Zum ersten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise geht es in den USA, Japan, China und Europa gleichzeitig bergauf.