„Es fehlt der Zündfunke“ Darum haben Europa-Aktien-Strategen wenig zu tun

Ein Büroarbeiter führt ein Telefonat, während sich der Tag dem Ende zuneigt. Europa-Aktienstrategen haben aufgrund der aktuellen Marktsituation seit knapp zwei Monaten einen unspektakulären und mitunter frustrierenden Arbeitsalltag. Foto: Getty Images

Ein Büroarbeiter führt ein Telefonat, während sich der Tag dem Ende zuneigt. Europa-Aktienstrategen haben aufgrund der aktuellen Marktsituation seit knapp zwei Monaten einen unspektakulären und mitunter frustrierenden Arbeitsalltag. Foto: Getty Images

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Zum ersten Mal seit zwei Jahren haben Analysten, die die Entwicklung europäischer Aktien abschätzen, zwei Monate in Folge ihre Prognosen einfach nur unverändert gelassen und gehen im Durchschnitt von einer Seitwärtsentwicklung aus. Von Deutschland bis Spanien wächst die Wirtschaft, doch die Konjunkturdaten konnten nichts gegen den längsten Abfluss aus Fonds für europäische Aktien seit der Finanzkrise ausrichten.

Nicht, dass die Strategen bei ihren Prognosen einen schlechten Job gemacht hätten. Im vergangenen Jahr verfehlten sie die tatsächliche Jahresentwicklung des Stoxx Europe 600 Index um nur zwei Prozent und im Januar passten sie ihre Schätzungen schnell an, als die Kurse wieder zu fallen begannen. Das Problem war der Markt selber, der eine Neigung zeigte, sich auf seinem erreichten Niveau festzusetzen, trotz drohender Dramen wie einem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Stagnation auf jeder Ebene

Die Unternehmenszahlen sind durchwachsen, das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um Käufer anzulocken und die Bewertungen sind bei ihrem Fünfjahresdurchschnitt festgefahren. Die Gesprächsnotizen von Sylvain Goyon haben sich seit fünf Monaten kaum verändert, sagt der Analyst von Natixis.

„Es ist schwierig, in die eine oder andere Richtung eine aggressive Wette einzugehen, weil wir keine Munition für unser Bewertungsmodell haben", erklärt Goyon. „Es fehlt der Zündfunke. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und suchen einen Ausweg."

Zwar war der Stoxx 600 im April letztes Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen und nur zehn Monate später wieder auf ein Zweijahrestief abgesackt. Doch danach schwenkte er wieder in den Korridor zwischen 300 und 350 Punkten ein - die Spanne, in der er sich die zwei Jahre vor seinem Hoch bewegt hatte. Zudem befindet er sich auf seinem Dreijahresdurchschnitt. Die Rally, die nach dem Februartief eingesetzt hatte, ist nach dem Dreimonatshoch vom 20. April zum Stillstand gekommen.