„Es geht um Kapitalerhalt, nicht um schnellen Profit”

Jean-Charles Mériaux ist Investmentchef und Teilhaber von DNCA Finance.

Jean-Charles Mériaux ist Investmentchef und Teilhaber von DNCA Finance.

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DAS INVESTMENT: In Frankreich gehört DNCA zu den großen und bekannten Fondshäusern, hierzulande ist das Unternehmen eher ein Geheimtipp. Wie wollen Sie das ändern?

Jean-Charles Mériaux:
DNCA Finance ist eine im Jahr 2000 gegründete französische „Asset Management Boutique“. Wir sind derzeit mit einem Büro in München und einem zweiköpfigen Vertriebsteam in Deutschland vertreten. Unser Fondsangebot richtet sich wie in Frankreich, Italien und Belgien in erster Linie an unabhängige Vermögensverwalter, Fondsvermittler und Privatbanken. Die Fonds eignen sich besonders gut als Basisinvestment oder aber als Beimischung – dies gilt es verstärkt zu vermitteln. Insbesondere im Bereich vermögensverwaltende Fonds bieten wir mit dem DNCA Invest Eurose eine interessante Alternative zu den Produkten größerer oder bekannterer Häuser an.

Gibt es Unterschiede zwischen französischen und deutschen Investoren?


Mériaux:
Aus unserer Sicht ist der Unterschied zwischen deutschen und französischen Investoren nicht sehr groß. Wir alle haben im Lauf der vergangenen krisendurchsetzten Jahre gelernt, bei Investitionen vorsichtiger zu sein. Es geht mittlerweile viel mehr um den Kapitalerhalt als um den schnellen Profit. Wir beobachten sowohl in Frankreich als auch in Deutschland, dass Investoren zurzeit überhaupt kein Interesse an Aktien, insbesondere europäischen Titeln, haben. Die Mehrzahl der Investoren in Europa hat sich von den Aktienmärkten verabschiedet, obgleich europäische Aktien gerade jetzt und im Vergleich zu Zinsinstrumenten preiswert sind.

Wie passt der DNCA Invest Eurose zu diesem Sicherheitsempfinden?


Mériaux: Er ist ein defensiver Mischfonds und zeichnet sich durch seine niedrige Volatilität und eine gleichzeitig interessante Rendite aus. Deshalb ist gerade dieser Fonds für den sicherheitsorientierten Investor interessant. Allerdings folgen wir auch bei den anderen Produkten klaren Überzeugungen und den Prinzipien unseres Hauses – Vorsicht, Geduld und Ausdauer. So führen kurzfristige Marktverwerfungen bei uns nicht zu Änderungen der Investmentstrategie.

Wir würden Sie die grundsätzliche Investmentphilosophie von DNCA beschreiben?


Mériaux:
Die Investmentphilosophie ist ein aktiver Ansatz, der auf der Fundamentalanalyse von Unternehmen basiert. Wir kennen die Unternehmen sehr gut und haben regelmäßig Kontakt zum Management. Wir beschränken uns bei der Analyse nicht auf Aktien und die Aktionärssicht, sondern betrachten das Unternehmen vielmehr als Ganzes – auch aus Sicht des Gläubigers. So können wir mit der Analyse die ganze Palette der Instrumente abdecken und unsere Fonds mit entsprechend geeigneten Aktien, Unternehmens- und Wandelanleihen bestücken. Was uns von anderen Anbietern abhebt, ist unser äußerst vorsichtiger Ansatz.

Ist das eine Lehre aus den vergangenen Krisen?


Mériaux:
Ja. Wir wissen, dass wir Unternehmensbilanzen gut analysieren und beurteilen können. Zum Beispiel dahingehend, ob eine Firma die Zinsen einer Unternehmensanleihe aus dem Cash - flow bedienen kann. Wesentlich schwieriger ist für uns zu beurteilen, ob ein Staat in der Lage sein wird, Anleihen zurückzuzahlen – aus diesem Grund kaufen wir nur wenige Staatsanleihen.

Ihr Investmentfokus liegt auf Europa. Wie sehen Sie die Euro-Krise: Wird sie gut ausgehen, oder müssen sich Investoren Sorgen machen?

Mériaux: Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Europa aus der derzeitigen Krise gestärkt hervorgehen wird. Schon jetzt beträgt die durchschnittliche Staatsverschuldung im Euroraum 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Andere Regionen auf dieser Welt müssen erst noch damit beginnen, eine Schuldenbremse einzubauen. Europa hat bereits drastische Korrekturen eingeleitet und ist dabei, seine Hausaufgaben zu machen. Wir gehen daher davon aus, dass es spätestens Mitte 2013 wieder Wachstumsimpulse geben wird.