ETF-Wette Nr. 1 Das Wunder-Portfolio der FAZ

Immer schön auf die Kosten achten oder Marktrisiken aktiv managen?

Immer schön auf die Kosten achten oder Marktrisiken aktiv managen? "Capital"-Korrespondent Christian Kirchner (links) wettet gegen DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. Foto: Gene Glover Photography, Johannes Arlt

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Alles beginnt mit diesem Artikel. Im Oktober 2016 berichtet FAZ Online vollmundig über ein Wunder-Portfolio: ein „kinderleicht zusammengesetztes“ Depot, das selbst erfolgreichen Fondsmanagern fast immer die Rücklichter zeigt. Natürlich sind, man ahnt es schon, Indexfonds im Spiel.

Und richtig: Laut FAZ benötigen Anleger nur zwei simple ETFs, um erfolgreich zu sein. Einen für globale Aktien und einen weiteren, der die Wertentwicklung europäischer Staats- und Unternehmensanleihen nachzeichnet. Beide im Verhältnis 50:50 gemischt, fertig. Wer braucht da noch einen Mischfonds mit einem Manager aus Fleisch und Blut?

Zugegeben, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (Stichtag 30. September 2016) sprechen rückblickend alle Zahlen für den FAZ-Mix. Plus 8,6 Prozent Wertzuwachs über ein Jahr, plus 30,8 Prozent über drei Jahre und plus 66,1 Prozent über fünf Jahre. Zwar gibt es über alle drei Zeiträume eine Reihe von Mischfonds, die jeweils ein besseres Ergebnis erzielt haben. Die Zahl der aktiv gemanagten Fonds, die über alle drei Zeiträume hinweg vor dem passiven Index-Duo liegen, lässt sich aber an den Fingern einer Hand abzählen. Was Skeptiker prompt zur nächsten Frage führt: Werden es auf Sicht der nächsten drei oder fünf Jahre dieselben Fondsmanager sein, die triumphieren?

Die ehrliche Antwort lautet „Vermutlich nein“. So gesehen lässt sich die Empfehlung der FAZ, bei der Vermögensbildung ausschließlich auf ETFs zu vertrauen und somit unschlagbar kostengünstig auf Augenhöhe der Märkte zu sein, durchaus nachvollziehen. Trotzdem ist sie mit Blick auf die Zukunft fragwürdig – zumindest bezogen auf den als Wunder-Portfolio verkauften Mix aus 50 Prozent globalen Aktien und 50 Prozent Euro-Anleihen.

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen die sich anbahnende Zeitenwende an den Rentenmärkten. Dort nämlich dürfte in den kommenden zehn Jahren statt stetigem Rückenwind durch sinkende Zinsen bestenfalls Flaute herrschen. Bei steigenden Zinsen bläst sogar Gegenwind – früher oder später auch in Europa.

Ein aktiver Manager kann die Verluste, die im Falle steigender Zinsen bei langlaufenden Anleihen entstehen, abfedern oder sogar Profit daraus ziehen. Ein passiver ETF kann das nicht. Er vollzieht jede Abwärtsbewegung des Rentenmarktes eins zu eins nach. Da mag von der Aktienseite noch so viel kommen, am Ende fehlen diese Prozente dem Wunder-Portfolio in der Abrechnung.

Zum anderen droht dem Index-Paket aber auch auf der Aktienseite der gewohnte Rückenwind abhanden zu kommen. Denn der im Wunder-Portfolio enthaltene ETF auf den MSCI World besteht zu knapp 60 Prozent aus US-Titeln. Sein Erfolg steht und fällt also mit dem Wohl und Wehe der New Yorker Wall Street. Dort laufen die Aktien zwar nach wie vor prächtig – sind aber gemessen an der Kennzahl Shiller-KGV mittlerweile teurer als vor Beginn des Börsen-Crashs von 1929.

Die hohe Bewertung muss nicht in einen Crash münden. Sie deutet aber darauf hin, dass sich US-Aktien gegenüber deutlich billigeren Titeln aus Europa oder den Schwellenländern möglicherweise über einen längeren Zeitraum unterdurchschnittlich entwickeln werden.

Auch hier gilt: Aktive Fondsmanager können auf eine solche Zeitenwende zügig reagieren, ein passiver ETF nur mit langer Vorlaufzeit. Wer erinnert sich noch daran, dass der MSCI World Ende der 80er Jahre zu mehr als 40 Prozent aus japanischen Titeln bestand? Sonderlich gut bekommen ist dem Index dies nach dem Platzen der Aktienblase in Tokio nicht.

Vor diesem Hintergrund hat DAS-INVESTMENT-Redakteur Egon Wachtendorf im Dezember 2016 beim Einsatz einer Kiste Champagner folgende Wette angeboten: Wetten, dass es das aus den beiden ETFs iShares MSCI World und iShares Euro Aggregate Bond gebildete Wunder-Portfolio der FAZ nicht schafft, auf Sicht der folgenden zehn Jahre – also im Zeitraum Januar 2017 bis Dezember 2026 – besser abzuschneiden als ein 50/50-Mix der beiden Mischfonds Carmignac Patrimoine und Nordea Stable Return?

Warum ausgerechnet diese beiden Fonds? Nun, ganz einfach. Beide investieren ausgewogen, variieren ihre Aktienquote also nicht zwischen den Extremen null und 100 Prozent. Das sorgt für einen fairen Vergleich mit dem Wunder-Portfolio.

Der Carmignac Patrimoine und der Nordea Stable Return sind zudem die größten Mischfonds mit deutscher Vertriebserlaubnis. Zusammen kommen sie auf ein Volumen von fast 40 Milliarden Euro. Das schafft Sicherheit, dass sie auch in zehn Jahren noch am Markt sind – und bewahrt vor dem möglicherweise später erhobenen Einwand, die Wette mit überdurchschnittlich kleinen und dadurch sehr wendigen Fonds gewonnen zu haben. Wenn es aber selbst diese beiden Millionen von Anlegern bekannten Dickschiffe schaffen, das Wunder-Portfolio zu schlagen, dann kann es mit der vermeintlichen ETF-Überlegenheit nicht allzu weit her sein.

Es dauerte im Dezember 2016 nur wenige Stunden, bis ein Wettpartner gefunden war. Christian Kirchner, Frankfurt-Korrespondent von „Capital“, schlug spontan ein und darf nun Anfang 2027 den Champagner zahlen – vorausgesetzt, seine Argumente erweisen sich nicht doch als die stärkeren. In aller Kürze zusammengefasst: Kirchner hält ungeachtet aller möglichen Trendwenden an den Aktien- und Rentenmärkten die Kostenbelastung der aktiv gemanagten Mischfonds mit jeweils mehr als 2 Prozent pro Jahr einfach für zu hoch, um auf Sicht von zehn Jahren gegen das schlanke Index-Paket bestehen zu können.

Ein weiteres Argument: Über einen längeren Zeitraum die Märkte vernünftig zu timen ist enorm schwierig. Der Mix zweier aktiv verwalteter Mischfonds bietet deshalb nicht nur Chancen, er birgt auch – relativ betrachtet zur Index-Kombination – ein gehöriges Maß an Risiken.

Damit hat Kirchner zweifellos Recht. Aber ohne diesen Rest an Spannung und Wettkampf-Stimmung wäre eine Wette ja völlig ohne Reiz. Es liegt nun in Händen der Fondsmanager Edouard Carmignac und Asbjørn Trolle Hansen, mit ihren Teams das Beste aus der gestellten Aufgabe zu machen. Und damit die weit verbreiteten Zweifel an der Sinnhaftigkeit aktiver Managementansätze nachhaltig zu zerstreuen.