ETFs im Wealth-Bereich „Im Private Banking wächst ein Pflänzchen“

David Wenicker, Vertriebsleiter für den iShares-Wealth-Bereich bei BlackRock

David Wenicker, Vertriebsleiter für den iShares-Wealth-Bereich bei BlackRock

DAS INVESTMENT: Welche Themen beschäftigen Sie zurzeit im Wealth-Vertrieb?

David Wenicker: Wir sehen mehrere Schlüsseltrends. Erstens beobachten wir ein verändertes Kundenverhalten. ETFs werden nicht mehr nur als Trading-Instrument taktisch genutzt, sondern auch strategisch langfristig eingesetzt. Zweitens werden, um Märkte abzubilden, im Wealth-Bereich zunehmend ETFs statt Aktienkörben, Derivate oder Futures genutzt.

Warum?

Wenicker: ETFs sind oft günstiger als Futures, insbesondere bei langfristigen Investments. Die Kosten von ETFs sind in den vergangenen Jahren rapide gesunken. Gleichzeitig ist die Liquidität der Core-ETFs gestiegen. Sie können daher im Sekundärmarkt äußerst günstig gehandelt werden. Zudem wurden die regulatorischen Bedingungen verschärft und das Hedging der Derivate ist teurer geworden.

Sehen Sie noch weitere Trends?

Wenicker: Mit Mifid II steigen die Transparenzansprüche, Provision und Produkt werden zunehmend entkoppelt. Die neue Regulierung spielt ETFs in die Karten. Ebenso die Digitalisierung. Robo-Advisor, Fintechs und digitale Vermögensverwaltungen setzen auf ETFs als Bausteine. Digitalisierung und ETFs passen von ihrer DNA her perfekt zusammen. Der ETF ist transparent, flexibel und kosteneffizient. Je größer er wird, desto mehr Skaleneffekte liefert er. Mit der Digitalisierung versucht man letztlich genau das gleiche zu erreichen. Man nutzt eine Technologie, um Skaleneffekte zu erzielen.

Wie hat sich die Nachfrage entwickelt?

Wenicker: Im institutionellen Bereich ist der ETF bereits etabliert. Im Private Banking wächst ein Pflänzchen. Im Bereich der Privatanleger liegt aber das größte Wachstumspotenzial. Wir schätzen den Anteil der privaten Anleger am deutschen ETF-Markt auf 10 bis 15 Prozent. In den USA liegt er bei deutlich über 50 Prozent.

Ist das in Deutschland auch bald so?

Wenicker: Der Markt öffnet sich den ETFs. Großbanken nehmen ETFs nach und nach in ihre Vertriebsmodelle auf. Das erzeugt Wettbewerbsdruck. Jeder will am starken Wachstum partizipieren. Dieser Prozess braucht aber etwas Zeit. Verstärkt werden kann dieser durch die bereits angesprochene Regulierung. In der Schweiz etwa, die bereits – wie auch die Niederlande und Großbritannien – ein neues regulatorisches Umfeld hat, haben viele Banken ihre Gebührenmodelle auf Pauschalen umgestellt. Danach ist der Anteil von ETFs signifikant in den Portfolios gestiegen, im Durchschnitt von 5 auf 40 Prozent.

Sind bestimmte Märkte besonders gefragt?

Wenicker: Die meisten entwickelten Märkte sind sehr effizient. Umso schwieriger ist es, dort über eine aktive Strategie langfristig eine Outperformance zu erzielen. Viele Investoren bilden diese Kernmärkte daher kostengünstig über ETFs ab. Daneben nutzen sie zunehmend ETFs für spezielle Themen, zum Beispiel Faktor- oder Sektorstrategien. Auch unsere neuen ETFs zu Megatrends wie Demographischer Wandel, also eine alternde Bevölkerung oder Robotisierung und Digitalisierung sind gefragt.
Im Gegensatz zu einem Dax- oder S&P-500-ETF sind die zugrundeliegenden Indizes weniger stark bekannt und machen eine stärkere Beratungsleistung, ähnlich wie bei den Smart-Beta-Produkten, erforderlich.  Im Anleihebereich sehen wir ebenfalls starkes Wachstum. Aufgrund der angespannten Liquiditätslage suchen Berater nach Alternativen. Mit ETFs können sie im Anleihebereich taktisch und stark diversifiziert agieren. Bei iShares haben wir mittlerweile rund 90 Anleihe-ETFs im Angebot. So kann man sehr zielgerichtet selbst Nischenmärkte abbilden.

Im Retail-Bereich gibt es zunehmend gemanagte Portfolios. Sind diese auch im Private Banking angesagt?

Wenicker: Weniger, gemanagte Portfolios eignen sich vor allem für den Massenmarkt, wo man gern standardisierte Produkte einsetzt. Im gehobeneren Segment wird der ETF eher als Baustein in einem Portfoliokontext genutzt.

Wie wichtig ist das Thema Kosten?

Wenicker: In einem Umfeld mit rekordtiefen Zinsen sind Kosten eine kritische Determinante des Anlageerfolgs. In diesem Zusammenhang spielen kosteneffiziente Indexbausteine, wie ETFs es sind, eine entscheidende Rolle.

Werden ETFs also noch günstiger?

Wenicker: In Europa ist die Branche auf einem sehr anlegerfreundlichen Kostenniveau angelangt. Unser S&P-500-ETF zum Beispiel kostet 0,07 Prozent Verwaltungsgebühren pro Jahr. Da ist nicht mehr viel Spielraum nach unten. Tendenziell werden die Preise aber dennoch eher weiter nach unten als nach oben gehen.