Euan McNeil, Kames Capital „Wir machen einen Bogen um grüne Anleihen“

Solarzellen im Senegal: Grüne Anleihen sollten von Investoren unbedingt im weiteren Nachhaltigkeits-Kontext betrachtet werden. | © Getty Images

Solarzellen im Senegal: Grüne Anleihen sollten von Investoren unbedingt im weiteren Nachhaltigkeits-Kontext betrachtet werden. Foto: Getty Images

Vergangenes Jahr wurden grüne Anleihen im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar ausgegeben. An der Spitze standen Euro-Anleihen, auf die 43 Prozent der Emissionen entfallen. In der Folge verteuerten sich die Wertpapiere. Zudem diktierten Emittenten die Konditionen der Anleiheemissionen und schufen eilig neue Strukturen. Das hat zu einer Überbewertung des Segments geführt.

Wir machen angesichts des hohen Kursniveaus einen weiten Bogen um grüne Anleihen. Ist die langfristige Zahlungsfähigkeit eines Emittenten nicht durch ein solides Geschäftsmodell und eine intakte Bilanz untermauert, verlockt uns der grüne Touch nicht.

Grüne Anleihen sollten von Investoren unbedingt im weiteren Nachhaltigkeits-Kontext betrachtet werden. Zudem sind Kenntnisse über die fundamentalen Treiber jeder Anleihe vonnöten, um sinnvoll zu investieren. Insbesondere müssen sich Anleger bewusst sein, dass das Risiko grüner Anleihen nicht von anderen Emissionen des Unternehmens abgegrenzt ist.

Augen auf bei grünen Investments

Wir sind der Meinung, dass grüne Anleihen genau wie alle anderen Marktanomalien behandelt werden sollten. Wenn wir einem Emittenten Geld für denselben Zeitraum bei gleicher Sicherheit leihen und außerdem ein grünes Projekt unterstützen können, ist das eine großartige Sache. Wir investieren jedoch sicher kein Geld in ein Unternehmen, wenn es mit dem restlichen Kapital austauschbar und gleichrangig mit allen anderen Schuldtiteln ist, die der Emittent zur Finanzierung seiner Geschäftstätigkeit ausgegeben hat. Nachhaltige Geldanlagen sollten zwar aktiv gefördert werden, jedoch nicht zu Preisen, die nicht den Standards entsprechen.