Eugen Weinberg: „Ich finde inzwischen Gefallen an Rohstoff-Spekulanten“

Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffanalyst<br>der Commerzbank

Eugen Weinberg, Chef-Rohstoffanalyst
der Commerzbank

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DAS INVESTMENT.com: Im April 2010 hatten Sie für den Sommer eine Preiskorrektur an den Rohstoffmärkten angekündigt. Die kam schon Ende Mai. Knapp daneben.

Eugen Weinberg: Ja, sie kam etwas schneller und heftiger als erwartet. Allerdings haben sich die Preise auch schneller wieder gefangen, als wir es erwartet hatten. Sie sind jetzt höher als zuvor.

DAS INVESTMENT.com: Es läuft?

Weinberg: Ja, so kann man das sagen. Es läuft. Und es wird weiter laufen so lange die Konjunktur und die Aktienmärkte laufen.

DAS INVESTMENT.com: Als ich den Starinvestor Jim Rogers fragte, ob wir eine neue Spekulationsblase haben, hat er – sagen wir mal – recht emotional reagiert. Das sei kompletter Blödsinn.

Weinberg: Das kann man nie für den Augenblick sagen, sondern immer erst im Nachhinein. Schließlich hat er 2008 auch keine Blase gesehen. Wir müssen bei diesem Thema jetzt vieles relativ sehen. Sicherlich haben einige Regierungen und Zentralbanken über Konjunkturprogramme und niedrige Zinsen ein Umfeld geschaffen, das Blasen begünstigt. Und mit den Preisniveaus aus den neunziger Jahren verglichen, sieht es heute wie eine Blase aus. Trotzdem mache ich mir noch keine Sorgen.

DAS INVESTMENT.com: Im April hatten Sie schon von einer möglichen Blase gesprochen. Jetzt sind die Preise sogar höher.

Weinberg: Es hat sich aber auch das Umfeld verändert. Die Wirtschaft einiger Länder hat sich unerwartet stark entwickelt, vor allem die der Schwellenländer Asiens und Südamerikas. Hinzu kommen die noch immer sehr niedrigen Leitzinsen und weitere Konjunkturprogramme in der westlichen Welt. Das hatte ich damals unterschätzt. Es rechtfertigt teilweise die höheren Preise.