Euro-Renditen auf Rezessionsniveau Aufschwung kommt im dritten Quartal

Léon Cornelissen ist Chefvolkswirt von Robeco. (Foto: Robeco)

Léon Cornelissen ist Chefvolkswirt von Robeco. (Foto: Robeco)

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Die beeindruckende Bondrallye setzt sich fort.  Wir bleiben für die weitere Erholung der Wirtschaft im Euroraum zuversichtlich. Meiner Meinung nach sollten eine Reihe von Faktoren die Konjunktur stützen.

Hierzu zählen ein schwächerer Euro, gesunkene Ölnotierungen, die Impulse durch den Aufschwung in Nordamerika und last but not least die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Notenbank.

Das Ausmaß der unlängst von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossenen geldpolitischen Stimuli beeindruckt uns insbesondere. Das Ankaufprogramm für Asset Backed Securities (ABS) fällt ambitioniert aus.

Obwohl der europäische Markt für diese forderungsbesicherten Wertpapiere vergleichsweise überschaubar sei, könne das Volumen des Kaufprogramms die Summe von bis zu einer Billion Euro erreichen.

Wir schränken allerdings ein, dass geopolitische Risiken die Erholung stören könnten. Augenscheinlich habe insbesondere die deutsche Wirtschaft unter dem Ukraine-Konflikt gelitten. Deutsche Unternehmen investieren zurzeit nur sehr vorsichtig.

Mittlerweile habe die Ukraine-Krise etwas an Schärfe verloren. Ich misstraue dieser Beruhigung allerdings: Es bleibt unklar, was die russische Führung letztendlich beabsichtigt. Die Spannungen könnten in diesem Winter erneut eskalieren.

Europa sei dann im Fall eines plötzlichen Stopps russischer Gaslieferungen sehr viel verwundbarer. Basisszenario bleibe aber dennoch eine weitere De-Eskalation in den Auseinandersetzungen.

Anlagenotstand am Bondmarkt

In der ultralockeren Geldpolitik der EZB sehe ich weiterhin den dominierenden Faktor für die europäischen Anleihemärkte. Die bemerkenswert tiefen Leitzinsen und die engen Risikoaufschläge (Spreads) innerhalb des Euroraums werden uns weiterhin begleiten.

Für das Privileg, dem deutschen Staat drei Jahre lang Geld zu leihen, müssten Anleger mittlerweile eine Prämie zahlen. Die gesunkenen Bondrenditen im Euroraum drückten momentan auch auf die US-Zinsen, wo Staatsanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit nur noch mit 2,5 Prozent rentierten.

Auf diesem Niveau bieten sowohl europäische als auch US-Staatspapiere wenig Wert. Jedwede Erholung der Konjunktur oder eine wieder steigende Inflation könnte die Bondrenditen wieder anziehen lassen. Steigende Renditen gehen stets mit sinkenden Kursen der zugrunde liegenden Zinstitel einher.

Aus den genannten Gründen seien auch Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating kein Kauf mehr. Hier halten wir weder die Renditen selbst noch die Risikoaufschläge dieser Papiere für sonderlich attraktiv.