Eurokrise: Die Lösung ist für manche unbequem

: Eurokrise: Die Lösung ist für manche unbequem

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Zahlreiche Marktbeobachter fragen sich, ob der Euro in seiner derzeitigen Form eine Überlebenschance hat. Die Frage ist allerdings schlecht formuliert. Natürlich kann der Euro in seiner derzeitigen Form überleben, denn dem Auseinanderbrechen der Eurozone oder dem Ausstieg eines Landes geht zwangsläufig eine politische Entscheidung voran.

Vor 20 Jahren provozierten die Märkte den Austritt des Pfund Sterling aus dem Europäischen Währungssystem. Doch heute können sie den Euro nicht kollabieren lassen oder den Austritt eines Landes erzwingen. Solange sich die Regierungen aller Eurozone-Länder zur Beibehaltung des Euro in seiner aktuellen Form bekennen, wird die Gemeinschaftswährung überleben.

Die Frage ist vielmehr, ob der Fortbestand des Euro in seiner aktuellen Form wünschenswert ist. Maximiert sein Überleben das Wohlergehen einer möglichst großen Anzahl von Bürgern der Eurozone? Oder anders gesagt: Kann der Euro gerettet werden, und kann gleichzeitig die Eurozone zu einer Wachstumsdynamik zurückfinden, die vor allem der jüngeren Generation Perspektiven bietet? Die Politik war bisher nicht in der Lage, hierfür einen schlüssigen Plan vorzulegen.

Ein Rettungsplan für den Euro?

Wie könnte ein solcher Plan aussehen? Grob umrissen wären nachträglich die Konstruktionsschwächen der Gemeinschaftswährung zu korrigieren und die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Eurozone die Kriterien einer optimalen Währungsunion erfüllt.

Die wesentlichen Punkte, die die Eurozone derzeit nicht erfüllt, sind die Arbeitsmobilität, die Lohn- und Preisflexibilität und der Fiskaltransfer. Der letzte Punkt – eine Fiskalunion – wird gerne als Lösung präsentiert. Doch solange die anderen Bedingungen nicht erfüllt sind, bestünde eine Fiskalunion aus einem permanenten Kapitaltransfer von Nord nach Süd (und auch die Finanzlage der nordeuropäischen Länder – einschließlich Deutschland – ist bei Weitem nicht gut).

Die Eurozone würde zu einem „großen Italien“: Zwischen Nord und Süd bestünde eine enormes Wirtschaftsgefälle, und der Norden würde permanente Transferzahlungen an den Süden leisten.

Die Arbeitsmobilität sowie die Lohn- und Preisflexibilität hängen von der Deregulierung der Arbeits- und Warenmärkte ab. Wie aus der Grafik ersichtlich, herrscht in einigen Ländern hier noch eine sehr starke Reglementierung.

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Empirische Studien haben die positiven Auswirkungen einer Deregulierung auf das Wachstumspotenzial der Länder gezeigt. Allerdings sind diese positiven Auswirkungen struktureller Reformen erst mittel- bis langfristig sichtbar, während die Maßnahmen kurzfristig eher wachstumshemmend wirken.

Ihre Umsetzung in einem demokratischen System erfordert deshalb politischen Mut und die Fähigkeit, die Bürger von den längerfristigen Vorteilen zu überzeugen.

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