Eurokrise: „Ein bisschen beten schadet auch nichts“

Ulrich Kater

Ulrich Kater

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DAS INVESTMENT.com: Ihre Prognose in Prozent: Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr einer nationalen Währung? Werden insgeheim D-Mark oder Drachme bereits gedruckt?

Ulrich Kater: Zurzeit ganz sicher nicht. Heutzutage würde dies dank wachsamer Journalisten auch kaum lange geheim bleiben.

Ob einmal eine nationale Währung in Europa zurückkommt, hängt von den europäischen Wählern ab: Wenn Parteien mit dem Anti-Euro Thema genügend Stimmen fangen können, dass sie sogar mit an die Regierung kommen, dann kann ein Austritt auf die Tagesordnung kommen. Allerdings wäre dieser für jedes Land sehr, sehr teuer.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Sie Finanzgott: Wie sehen ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise der Europäer aus?

Kater: Ich empfehle folgende Maßnahmen: Eine schnelle und umfassende Rekapitalisierung ausgewählter europäischer Banken, Strukturreformen für mehr Wettbewerb in hoch verschuldeten Euro-Staaten sowie eine moderate, aber dafür langfristige Haushaltskonsolidierung in allen Mitgliedsländern.

Dazu dann noch eine langfristige Lösung für Griechenland, also eine Kombination aus Schuldenschnitt, Wiederaufbau und Reformen und ein bisschen beten schadet auch nichts.

DAS INVESTMENT.com: Künftige Rolle der EZB: Lieber Konjunktur stützen oder Inflation bekämpfen?

Kater: Das geht sogar beides: Die Inflation ist zurzeit kein Thema, so dass die EZB mit Zinssenkungen die Konjunktur stützen kann.

Die EZB sollte jedoch vorsichtig sein mit außergewöhnlichen Maßnahmen. So stützen etwa alle großen Zentralbanken außer der EZB ihre Staaten zurzeit durch massive Wertpapierkäufe. Das kann eine Weile gut gehen. Wenn aber die Staaten in dieser Zeit nicht konsolidieren, droht der ganz große Crash. Die EZB ist da, was die europäischen Finanzminister angeht, misstrauisch. Und das zu Recht. Daher sind die Wertpapierkäufe durch die EZB relativ gering.