Eurokrise: „Jetzt wird's interessant für den Anleger“

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Die Stimmung im Euroraum verschlechtert sich im Augenblick wieder. Griechenland braucht dringend Geld, die Gläubiger können sich aber nicht einigen, wie es zur Verfügung gestellt wird. Spanien ziert sich, einen Antrag auf Hilfen durch die Europäische Zentralbank zu stellen. Frankreich kann sich nicht zu überzeugenden Reformen durchringen. In dieser Woche hat Moody's die Bonitätsnote für das Land (bisher AAA) gesenkt.

Das Ganze könnte zu einer neuen Zuspitzung der Krise eskalieren. Manchmal hat man den Eindruck, als hätten wir in den vergangenen zwei Jahren nichts gelernt und stünden in der Krise schlimmer da denn je.

In Europa tut sich was

Das ist nicht richtig. Ich habe mir die Fundamentaldaten der Schuldnerländer im Euroraum etwas genauer angeschaut. Da zeigt sich, dass eine ganze Menge getan wurde und dass das Ganze auch wirkt. Die Haushaltsdefizite sind spürbar gesenkt worden. Konjunkturbereinigt liegen sie beispielsweise in Italien und Griechenland jetzt nur noch bei 1,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), in Portugal bei 3,1 Prozent (in Spanien allerdings noch bei 6 Prozent).

Auf den Arbeits- und Gütermärkten wurden wichtige Reformen in Angriff genommen. Als Folge davon ist die Wettbewerbsfähigkeit gestiegen. Die Leistungsbilanzdefizite sind zurückgegangen. In Irland und Griechenland sind die Lohnstückkosten, verglichen mit dem Beginn der Krise, inzwischen um fast 15 Prozent niedriger, in Spanien fast 10 Prozent.

Das ist natürlich noch nicht genug. Griechenland muss noch hart arbeiten – an einer Verbesserung seiner Konkurrenzfähigkeit und an der Effizienz des öffentlichen Sektors (nicht zuletzt bei der Steuererhebung). Spanien muss die Haushaltsdefizite und die faulen Kredite der Banken weiter verringern. Frankreich muss aufpassen, dass es nicht in den Strudel der anderen mitgerissen wird.

Insgesamt ist es jedoch ein Anfang. Es ist mehr als viele denken. Dies umso mehr, als es gelungen ist, einen stabilen institutionellen Rahmen zur Krisenbekämpfung fertig zu stellen. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) ist mit einem Kapital von 700 Milliarden Euro inzwischen kein Provisorium mehr, sondern voll arbeitsfähig. Er ist vergleichbar mit dem Internationalen Währungsfonds auf globaler Ebene.

Die Europäische Zentralbank verfügt mit dem OMT (Outright Monetary Transactions) über ein Instrument, mit dem sie an den Märkten Übertreibungen verhindern kann. Man kann darüber streiten, ob es sinnvoll war, das OMT bei der EZB anzusiedeln (ich hätte es lieber beim ESM gesehen). Dass es aber gebraucht wird, ist nicht zu leugnen.

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