Eurokrise: Weiter rumdoktern oder scheitern lassen?

Rolf Kazmaier, Guido von Schemm (v. li.)

Rolf Kazmaier, Guido von Schemm (v. li.)

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Rolf Kazmaier: Europas Kraft sollte man nicht verspielen

In vielen Ländern hat die Intensität von Strukturreformen stark zugenommen. Dies ist wichtig, da Strukturreformen das Potential für Wirtschaftswachstum verbessern. So konstatiert die OECD in ihrem Bericht „Going for Growth 2012“, dass die Krise als Katalysator für Strukturreformen gewirkt habe.

Der OECD-Bericht untersucht den Fortschritt verschiedener Länder im Bereich Strukturreformen seit Ausbruch der Krise. Er zeigt, dass sich die Umsetzung der OECD-Reformempfehlungen von 2008 bis 2011 in den Ländern am stärksten erhöht hat, die von der Krise am stärksten betroffen sind wie Griechenland, Irland und Portugal und seit kürzerer Zeit auch Spanien. Damit finden die Reformen in den Ländern statt, die ihrer am meisten bedürfen.

Jedoch gibt es Unterschiede in der Reformintensität zwischen den Wirtschaftsbereichen. Im aktuellen Bericht zur Wachstumsstrategie Europa 2020 stellt die Europäische Kommission fest, dass die Länder mit einem gesamtwirtschaftlichen Anpassungsprogramm und einige gefährdete Mitgliedstaaten ehrgeizige Reformen der Arbeitsmärkte in die Wege geleitet haben, wohingegen es eine geringere Reformintensität der Produkt- und Gütermärkte gibt. Die Arbeitsmarktreformen stärken die internationale Wettbewerbsfähigkeit und tragen erheblich dazu bei, dass die Arbeitsmärkte robuster auf mögliche zukünftige wirtschaftliche Schocks reagieren können.

Die europäische Integration

Die europäische Integration ist ein großer und wichtiger Teil der europäischen Geschichte. Isolierung auf nationaler Ebene und Vormachtansprüche haben rückblickend Europa und die Welt verheert. Aus diesem wichtigen Grunde ist das Bündnis der Europäer von elementarer Bedeutung. Vor einem Europa der Kleinstaaterei und der Nischen hätte wohl jeder Angst.

Aber es ist ein neues -oder besser gesagt- ein Bündnis neuen Typs. Es richtet sich nicht gegen ein Volk, sondern lebt den gemeinsamen Willen der europäischen Völker zu Frieden, Zusammenarbeit und gegenseitigem Vorteil. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass diejenigen europäischen Staaten, die, wie die Schweiz oder Norwegen, nicht an der Integration als Vollmitglied teilnehmen, an engsten politischen Beziehungen zur EU interessiert sind.
Die Mitgliedschaft in der EU ist ein Fundament des Ansehens Deutschlands in der Welt, und dass wir von der EU-Mitgliedschaft als stärkste Exportnation auch am meisten profitieren, sollten inzwischen nicht nur Interessierte wissen.