Europa-Fonds: Die besten Manager und ihre Favoriten

Damien Lanternier, Fondsmanager des Echiquer Agressor

Damien Lanternier, Fondsmanager des Echiquer Agressor

// //

Die drei Männer sitzen wie Nachrichtensprecher am Tisch vor der Kamera. Ganz rechts begrüßt uns ein sichtlich nervöser Analyst namens Jean-Charles Belvo. Sein Nebenmann in der Mitte wirkt immer ein bisschen, als hätte er gerade erst sein Abitur gemacht und als wäre sein Anzug etwas zu groß.

Aber unterschätzen sollte man Fondsmanager Damien Lanternier deshalb auf keinen Fall. Sein Aktienfonds, der Echiquier Agressor, ist inzwischen 1,2 Milliarden Euro schwer. Und trotz zuletzt unterdurchschnittlicher Wertentwicklung halten Großanleger wie das deutsche Family Office Spudy & Co dem Mann von Financière de l’Echiquier die Treue.

Dessen Fondsname ist Programm: Lanternier hat für sein Management eine „Carte blanche“, was man mit „Freibrief“ übersetzen könnte. Er braucht sich nicht um Indizes zu scheren. „Wir haben zwar alle Freiheiten, aber wir haben auch Prinzipien“, sagt Lanternier. Eine Aktie muss mindestens 40 Prozent Kurschance haben, die Unternehmensführung muss stark sein und für die Aktionäre arbeiten.

Auf dieser Online-Web-Konferenz („Wir machen das zum ersten Mal auf Deutsch“) räumt Analyst Belvo etwas ein, womit sich auch seine Konkurrenten derzeit herumschlagen müssen: „2010 bis 2012 gab es am Aktienmarkt noch viele gute und günstige Möglichkeiten.

>>Vergrößern


Auch heute gibt es noch viele sehr gute Unternehmen. Aber deren Bewertungen sind deutlich höher.“ Um dieses Manko auszugleichen, versucht Lanternier einen Irrtum des Markts auszunutzen. Denn der teilt Aktien noch immer nach altem Muster in zwei Teile: zyklische und nicht-zyklische Titel. Zyklische Titel handeln klassischerweise mit niedrigen Bewertungen – das ist der Preisabschlag für das erhöhte Konjunkturrisiko, gerade in Zeiten wie diesen.

Nur findet Lanternier Unternehmen wie Continental – eigentlich ein Zykliker – gar nicht mehr so zyklisch. „Es ist ein sehr gutes, breit aufgestelltes Unternehmen“, meint er und verweist auf das schon fast traditionell niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10. Die erhöhte Konjunkturresistenz von Conti und ähnlich gelagerten Unternehmen könnte das KGV deutlich steigen lassen. Der Markt muss nur mal auf die Idee kommen.

Doch die breite Masse der Investoren schert sich aktuell nicht um Zurückgebliebene und reitet lieber weiter ihre mitunter schon kräftig gelaufenen Lieblinge. Allen voran der ach so krisensichere Schweizer Nahrungsmulti Nestlé, dessen KGV inzwischen doppelt so hoch ist wie das von Conti.

Das baut natürlich auch enormes Enttäuschungspotenzial auf, wie Bellevue-Managerin Birgitte Olsen anmerkt: „Es ist wie mit einem Kratzer im Lack. Bei einem teuren Auto ist  das viel schlimmer als bei einem billigen.“ Was dann folgt, haben schon viele vormals unantastbare Aktien vorgemacht (Apple, Microsoft). Nur wann und bei welchem Stand, das ist die Frage. Olsens Ansatz hat zweifellos Hand und Fuß – sie konzentriert sich auf von Inhabern oder Familien geführte Unternehmen.

Aber performancetechnisch macht sie mit ihrem Bellevue Entrepreneur Europe gerade harte Zeiten durch. Sie kauft nun mal am liebsten Aktien, die gerade kaum jemanden interessieren und die gerade deshalb sehr günstig sind. Und noch ein bisschen brauchen, um entdeckt zu werden.

Die Hitliste mit den aktuell performancestärksten Europa-Aktienfonds regieren derzeit flexible Manager, die eher auf die Perspektive als auf den Preis einer Aktie achten. Die Aktienfavoriten sind meist gut geführte Firmen mit Markt- und damit auch Preismacht. Firmen, die auch in Krisenzeiten ihren Schnitt machen und wachsen werden – hoffentlich. In einem Satz: Value ist zurzeit mega-out.

Alte Bekannte unter den Top-Fonds

Was nicht heißen muss, dass die derzeitigen Spitzenmanager bei einem Value-Comeback zwangsläufig in der Rangliste nach hinten rutschen. Es sind Könner am Werk, die die nötigen Freiheiten genießen. So etwa Franz Weis von Comgest und Michael Clements von Franklin Templeton, die beeindruckende Gewinne erzielt haben (siehe Crash-Test DAS INVESTMENT Juni 2013).

Oder auch Nicolas Walewski, der sich 2005 auf Anraten seiner Investoren mit Alken Asset Management selbstständig machte. Sein Alken European Opportunities lässt auf Sicht von zwölf Monaten den Aktienindex Stoxx Europe 600 um fast 9 Prozentpunkte hinter sich.