Europäische Aktien „Die langfristige Aktienauswahl bringt den Ertrag, nicht die kurzfristige Marktentwicklung“

Matthew Siddle, Portfoliomanager des Fidelity European Growth Fund

Matthew Siddle, Portfoliomanager des Fidelity European Growth Fund

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Selten gab es so einen turbulenten Jahresauftakt mit entsprechend großer Verunsicherung unter den Anlegern – wie erleben Sie diese Phasen starker Kursschwankungen als Fondsmanager?

Matthew Siddle: Ein konsequenter Fokus auf Qualitätsaktien kann sich gerade in einem Quartal mit starken Kursschwankungen bewähren. So hat der European Growth Fund am Ende den FTSE World Europe Index im abgelaufenen Quartal sogar geschlagen. In meinem Portfolio haben sowohl die Aktienauswahl als auch die Branchengewichtung zur Wertsteigerung beigetragen. Insbesondere der Fokus auf Aktien aus dem Konsumbereich und das Wiedererstarken ausgewählter Energie-Aktien trugen zum Ertrag bei. Unterdessen haben sich im ersten Quartal am breiten Markt viele Investoren von teuren Momentum-Aktien getrennt. Bei denen ist mein Fonds grundsätzlich untergewichtet.

Worauf achten Sie im aktuellen Umfeld besonders?

Siddle: Für Investoren kommt es darauf an, beim Investment Aktien von Unternehmen mit geringerer Qualität zu vermeiden und sich nicht nur von der Bewertung leiten zu lassen. Denn innerhalb einzelner Branchen weichen die Aktienbewertungen nur noch gering voneinander ab: Gute und schlechte Unternehmen sind oft ähnlich bewertet. Eine Grund dafür waren unter anderem die Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank sowie der niedrige Ölpreis, die der europäischen Wirtschaft und damit den Unternehmen 2015 geholfen haben. Ich glaube, dass diese Maßnahmen auch 2016 dem europäischen Bruttoinlandsprodukt zugutekommen, wenngleich die Wirkung in der zweiten Jahreshälfte etwas nachlassen dürfte. Die strukturellen Probleme in Europa sind aber weiterhin ungelöst.

Welche Ertragsquellen sind für sie besonders wichtig? Haben Sie Ihr Portfolio im vergangenen Quartal angepasst?

Siddle: Ich habe mein Fondsportfolio so ausgerichtet, dass es dem allgemeinen wirtschaftlichen Risiko nicht besonders stark ausgeliefert ist; in erster Linie soll die Aktienauswahl die wichtigste Ertragsquelle sein. Ich bin leicht untergewichtet in den typischen defensiven Sektoren, aber bin übergewichtet in eher defensiven Unternehmen aus zyklischen Sektoren. Im vergangenen Quartal habe ich Aktien von Nahrungsmittelhersteller Danone, Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric, dem Modeunternehmen Kering und der Mediengruppe WPP wegen der guten Kursentwicklung verkauft. Diese Erträge habe ich in unter anderem in Finanzwerte wie Barclays aus Großbritannien und die skandinavische DNB sowie in Aktien aus dem Health-Care-Sektor investiert, zum Beispiel in die Pharma-Konzerne Shire und Bayer.

Was spricht aus Ihrer Sicht für ausgewählte Finanzwerte?

Siddle: Aktuell bevorzuge ich Banken außerhalb der Eurozone, weil sie bei ähnlich attraktiven Bewertungen bessere Fundamentaldaten als Banken der Eurozone aufweisen. Ich bin davon überzeugt, dass der Kursverfall angesichts der längerfristig wirkenden Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt ist.

* Vollständiger Fondsname: Fidelity Funds - European Growth Fund A (EUR), ISIN: LU0048578792; MK8576

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