Europäische Aktien „Negative Nachrichten bewirken Positives“

In den vergangenen Wochen ist der Dax zwischenzeitlich sogar unter 9.000 Punkte gerutscht (Foto: Getty Images)

In den vergangenen Wochen ist der Dax zwischenzeitlich sogar unter 9.000 Punkte gerutscht (Foto: Getty Images)

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Die Zahlen sind ernüchternd. Laut erster Eurostat-Schätzung von Mitte August ist die Wirtschaftsleistung der Euro-Länder zwar im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,7 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorquartal stagnierte sie aber.

Diese Nullrunde ist diesmal nicht nur den südeuropäischen Staaten anzulasten. Frankreich schaffte nur ein Nullwachstum, und Wirtschaftslokomotive Deutschland fuhr gar um 0,2 Prozent rückwärts.

Fürs laufende Quartal sieht es nach Ansicht von Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, für die hiesige Wirtschaft nicht viel besser aus. Der ZEW-Index für Deutschland ist im achten Monat in Folge gesunken. Im August gab der Indikator für die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung besonders stark nach.

Schuld daran seien unter anderem die geopolitischen Spannungen, die mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zeigten. Und auch wenn sie nicht alle Branchen direkt betreffen, für Unsicherheit sorgen sie allemal – auch bei den Aktionären.

Während im Juni die neuen Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) noch für Auftrieb an den Börsen sorgten, drehte der Wind im Juli. Der Dax und der Euroraum-Aktienindex Euro Stoxx 50 verloren zwischenzeitlich um die 10 Prozent. Der Anfang vom Ende der Party?

Stimmungsgetriebene, gesunde Korrektur

Nein, meint Carsten Roemheld. Der Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment hält die jüngsten Kursrückgänge lediglich für eine gesunde Korrektur - angefacht durch die Anlegerstimmung und nicht durch die zugrunde liegenden Rahmenbedingungen. Diese sind gar nicht so schlecht. Die europäische Wirtschaft konnte sich im vergangenen Jahr aus der Rezession befreien und hat gute Chancen, auf Wachstumskurs zu bleiben.

Konjunkturexperte Fichtner rechnet für Deutschland schon im dritten Quartal mit einer Erholung: „Sofern die Krisenherde unter Kontrolle bleiben und sich die wirtschaftliche Lage im Euroraum allmählich erholt, dürfte die deutsche Wirtschaft rasch wieder auf eine moderate Aufwärtsbewegung einschwenken.“

Auch im Rest Europas geht es voran – zumindest stimmt die Stimmung. Der Economic Sentiment Indicator, ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung im Euroland, hat von seinem Aufwärtstrend seit Ende 2012 nichts eingebüßt und liegt stabil über dem langfristigen Durchschnitt.

„Auch wenn das schleppende Wirtschaftswachstum in weiten Teilen der Region Besorgnis erregt, gehen wir doch insgesamt von einer fundamentalen Verbesserung der Rahmenbedingungen für die europäische Wirtschaft aus“, konstatiert Uwe Zöllner.