Europäische Immobilien: Anleger haben Risiken nicht im Blick

Neil Turner (links) und Mark Callender

Neil Turner (links) und Mark Callender

// //

Ausgelöst durch die Staatsschuldenkrise, flüchten Anleger vermehrt in vermeintlich sichere Häfen und Qualitätsanlagen. Für Immobilienanleger bedeutet das Objekte mit Renditen, die ähnliche Charakterzüge wie Unternehmensanleihen mit stabilen Ertragsströmen bieten.

Doch derartige Anlagen sind mitunter mit einem viel größeren Risiko behaftet als allgemein angenommen. Attraktiver erscheinen daher sekundäre Immobilien (ältere Gebäude) der Klasse A an Standorten in Nordeuropa, die von baulicher Seite als solide bezeichnet werden können, jedoch unter Umständen durch zahlungsschwache Mieter oder kurze Mietlaufzeiten beeinträchtigt werden.

Neuerliche Flucht in sichere Anlagen

Es ist nicht überraschend, dass die Unsicherheit, die durch die Staatsschuldenkrise, die potenzielle Beschädigung des europäischen Bankensystems und die Folgewirkung auf die Unternehmensgewinne ausgelöst wurde, zu einer neuerlichen Flucht in sichere Anlagewerte geführt hat.

Jüngst lagen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA, in Großbritannien und in Deutschland entweder auf einem Rekordtief oder auf einem Niveau, das seit über 100 Jahren nicht erreicht wurde. Aktien hingegen sind relativ niedrig bewertet und bieten Dividendenrenditen, die allgemein über den Renditen von Staatsanleihen liegen.

Am Immobilienanlagemarkt beobachtet man eine ähnliche Flucht zu Standorten, die als sichere Häfen gelten: Die Londoner Innenstadt, München, Paris und die Schweiz haben bereits sehr viel Kapital angezogen und damit nie dagewesene Bewertungen erreicht.

Alternativ konzentrieren sich die Anleger an vielen anderen Standorten auf unternehmensanleihenähnliche Immobilien mit sehr sicheren Ertragsströmen (sekundäre Immobilien).

Auch wenn diese Anlagen nicht durch qualitativ hochwertige Immobilien unterlegt sein mögen, ist die Preisgestaltung aggressiv. Denn ein Großteil der Akteure am Kapitalmarkt scheint derzeit von Ertragssicherheit nahezu besessen zu sein. Hier stellt sich erneut die Frage, ob Investitionen in diese Art von Immobilien nicht eine hochgradig risikobehaftete Strategie sein können.