Evolution in der Kundenberatung „Der Tag danach“

Spiros Margaris, Geschäftsführer der Beratungsboutique Magaris Advisory. Foto: Getty Images

Spiros Margaris, Geschäftsführer der Beratungsboutique Magaris Advisory. Foto: Getty Images

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Wir beschäftigen uns tagtäglich mit einem Thema so stark, dass wir oft darüber vergessen, es in seiner Konsequenz fortzuschreiben.

Meine bekannten Themen sind Innovation und die Fintech-Branche (Finanztechnologie oder Financial Technology) und ihre zukünftigen Auswirkungen auf die traditionell geprägten Banken. Die Auswirkungen wird aber auch alle übrigen Branchen und schlussendlich auf jeden einzelnen von uns in direkter oder indirekter Form erreichen.

Nach dem „Tag danach“ werden wenige Banken, Versicherungen und Fintechs überlebt haben, die Digitalisierung wird weiter fortschreiten und Talente werden dann eher in der Technologiebranche gesucht und gefunden, aber sicherlich weniger in der Beratung von Kunden.

Jedoch ist es genau die Beratung, die an Wert gewinnen wird, da mit dem Prozess zwangsläufig eine Erosion stattfinden wird. Mit dieser wird es nämlich zunehmend an Talent, Erfahrung und Kreativität mangeln und Expertise fehlen. Aber genau in diesem Beratungsbereich ist die Zukunft der Banken und Versicherungen zu suchen – und gleiches gilt für Menschen und deren Familien, die sich eine Zukunft in der Finanzbranche gesucht haben.

Die Treiber der Entwicklung

Die Fintech-Bewegung und die IT-Giganten Amazon, Apple, Google und Facebook werden unser Verständnis für Banking und zugehörigen Dienstleistungen für immer verändern. Diese Unternehmen entwickeln bekanntlich neue Geschäftsfelder, die sich auf Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr oder Kreditvergaben stützen.

Damit wird den Banken ihr Geschäft entzogen und somit auch der Aufgabenbereich der dort Beschäftigten. Nach dem Einbruch der Gewinnmargen werden zwangsläufig die Schliessung von Abteilungen und Filialen die Folge und damit der Personalabbau unabwendbar sein.

Die Bankenwelt trifft damit auf Probleme, die andere Branchen wie Verlage mit ihren Druckhäusern oder die Unterhaltungsindustrie bereits tragisch durchgespielt haben. Es trifft damit nicht nur die Anteilseigner dieser Unternehmen, sondern auch die Menschen, die in diesen Industrien arbeiten.

Der im Zeitablauf letzte Teil ist der wohl traurigste Teil der Digitalisierung in diesem Bereich, ob wir es wollen oder nicht. Meistens wollen wir Dinge, die unseren Alltag oder dort ablaufende Prozesse vereinfachen, aber nicht die Konsequenzen, die unweigerlich eintreten und dazu gehören. Man kann eben kein Omelett machen, ohne Eier zu zerschlagen. Dass gilt leider auch für die Veränderungen, die auf die Finanzinstitute zukommen und dies mit einem viel schnelleren Veränderungstakt, als wir alle bereits gewöhnt sind.

Unausweichliche Konsolidierungswelle

Es ist zwar nicht so, dass alle Banken und Versicherungen verschwinden werden und es dann nur noch irgendwelche Fintech Supermarkets, also Banken mit Partnerschaften sowohl mit Fintech-Unternehmen als auch mit großen Internet-Firmen, geben wird.

Aber viele Finanzinstitute werden in der Konsolidierungswelle schrumpfen oder untergehen und auch viele der Fintechs werden nicht mehr da sein. Manche werden unter einem konsolidierten Namen oder durch Akquisition in einer Bank integriert überleben.

Zu Ende gedacht

Das mag ja für viele Teilnehmer und Leser nichts Neues sein, aber die breiten Konsequenzen und die sich daraus ergebenden Opportunitäten sind für viele noch nicht überschaubar.

Wenn es manchen Lesern so geht, hier kein großes Mitleid für die Konsequenzen der Leute in der Finanzindustrie aufkommen zu lassen, dürfen sie nicht vergessen, dass viele der in der Branche Beschäftigten gut zahlende Steuerzahler sind und auch viele andere Wirtschaftszweige, zum Beispiel im Bereich des Einzelhandels, direkt oder indirekt mit ihrer starken Kaufkraft unterstützen.

Zudem bilden sie zusammen mit anderen Branchenbeschäftigten einen wichtigen Bestandteil der Mittelklasse und helfen somit auch, unseren hohen Lebensstandard zu bewahren.

Deshalb muss es in unser aller Interesse liegen, dass die Branche einen Weg aus ihrer dramatischen Krise findet. Damit die Finanzinstitute überleben, sollten sie sich erstens von bestehenden veralteten Systemen und dazugehöriger Software (Legacy IT Systems) so schnell wie möglich emanzipieren, zweitens Fintech-Know-how durch Partnerschaften oder Akquise einverleiben und drittens auf eine unabhängige und erstklassige Beratung konzentrieren.

Die ersten zwei Punkte sind meist sehr technologiebezogen und in vielen CEO-Köpfen schon angekommen, aber vielleicht noch nicht richtig gelebt oder von außen wahrgenommen.