Exklusiv-Interview mit Flossbach von Storch „Vielleicht müssen wir viel radikaler denken“

Wollen Anlegern den ersten Schritt ermöglichen: Mitgründer und Vorstandsmitglied Kurt von Storch (links) und Portfoliomanager Elmar Peters, beide Flossbach von Storch | © FvS/Jürgen Bindrin

Wollen Anlegern den ersten Schritt ermöglichen: Mitgründer und Vorstandsmitglied Kurt von Storch (links) und Portfoliomanager Elmar Peters, beide Flossbach von Storch Foto: FvS/Jürgen Bindrin

DAS INVESTMENT: Herr von Storch, Ihr Kollege Philipp Vorndran zeigte während seines Vortrags auf dem Fondskongress in Mannheim eine kurze Videosequenz. Die ersten Schritte seines jüngsten Kindes. So viel Privates gibt es aus Ihrem Haus selten. Was unterscheidet den Start des FvS-Fonds „Der erste Schritt“ von einem Produktstart, wie er täglich passiert?

Kurt von Storch: Ich kann nicht für andere Fonds aus anderen Häusern sprechen, sondern nur für unseren eigenen. „Der erste Schritt“ ist uns ein echtes Anliegen, eine Botschaft – das zeigt nicht allein der für unsere Branche ungewöhnliche, weil nicht künstlich verkomplizierte Name. Die Deutschen horten aktuell mehr als 2,2 Billionen Euro auf ihren Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten. Und verschenken dabei sehr viel Geld. Leider. Geld, das ihnen später einmal fehlen wird. Für die Altersvorsorge oder die Ausbildung der Kinder und für so vieles mehr. Wir wollen die Menschen überzeugen, dass eine bessere, eine rentierlichere Geldanlage möglich ist. Der erste Schritt soll dabei helfen.

Klingt ein wenig missionarisch …

von Storch: Wenn Sie so wollen, ja. Aber das ist nicht neu bei uns. Bert Flossbach und ich haben vor sieben Jahren die Flossbach-von-Storch-Stiftung gegründet. Stiftungszweck ist es, junge Menschen für Wirtschafts- und Finanzthemen zu interessieren. Viele Jugendliche können nach dem Schulabschluss nicht einmal einen Mietvertrag abschließen. Sie haben keine Ahnung von Versicherungen. Von Kapitalmarktthemen, der Börse, ganz zu schweigen. Das kann und darf nicht sein. Jeder junge Mensch sollte in der Lage sein, Finanzentscheidungen selbst zu treffen, zumindest aber einen Plausibilitäts-Check machen zu können. Wenn der Leitzins bei null ist, muss er wissen, dass ein Produkt, das ihm 6 Prozent Rendite ohne Risiken verspricht, nicht ganz koscher sein kann.

Haben Sie ein konkretes Beispiel für die Stiftungsarbeit?

von Storch: Wir haben vor drei Jahren mit dem Handelsblatt und dem Institut für öffentliche Bildung in Oldenburg den Schülerwettbewerb econo=me ins Leben gerufen. Mehr als 3.000 Schüler aus ganz Deutschland nehmen mittlerweile daran teil. Es geht darum, Beiträge zu bestimmten Finanzthemen zu erarbeiten, also spielerisch Wissen zu vermitteln. Mithilfe von Videos, Websites, Radiobeiträgen oder Aufsätzen. Es waren auch schon Lieder und Gedichte dabei. Es funktioniert, ist aber nur ein Anfang.

Was planen Sie darüber hinaus?

von Storch: Wir möchten die Stiftung ausbauen. Das ist eine große, aber auch sehr schöne Aufgabe für uns in den kommenden Jahren. Wir haben Lust und Kraft, die Deutschen zu ermutigen, anders über das Thema Geldanlage zu denken. Sich eine eigene Meinung bilden zu können. In der Hoffnung, dass sich das Anlegerverhalten mit der Zeit verändert. Wenn eine Generation es verstanden hat, wird sie ihr Wissen weitergeben – und auch die folgende Generation wird das tun. „Der erste Schritt“ soll Sparern eine Brücke in die Welt der Geldanlage bauen, um erste Erfahrungen am Kapitalmarkt zu sammeln. Die Angelsachsen sind da viel weiter.

Was haben die Angelsachsen, gerade die Amerikaner, uns voraus?

von Storch: Sie denken unternehmerisch. Der Kapitalmarkt, die Börse, ist dort seit Generationen mit positiven Erfahrungen verbunden. Die Altersvorsorge mit den 401k-Plänen gibt zusätzliche Anreize, am Kapitalmarkt aktiv zu werden.

Die Deutschen haben am Aktienmarkt oft einen auf die Mütze bekommen …

von Storch: Das ist das Problem. Da hilft es auch nicht zu sagen, „ihr hattet bloß die falschen Aktien“. Das bringt nichts. „Der erste Schritt“ setzt hier ganz bewusst bildlich an: ein Kind, das Laufen oder Fahrradfahren lernt. Ein älterer Mensch, der sich mit neuer, aus seiner Sicht immer komplexer werdender Technik anfreunden muss. Jeder von uns macht immer wieder einen neuen ersten Schritt. Das macht das Leben so interessant. Wir wollen diese Bilder nutzen, um die Sparer zu erreichen.