Exklusiv-Interview mit Stefan Edberg: „Nur als Spieler war ich aggressiv“

Tennislegende Stefan Edberg

Tennislegende Stefan Edberg

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DAS INVESTMENT: Vom Tennisspieler zum Finanzprofi – wie kam es dazu?

Stefan Edberg: Als professioneller Tennisspieler verdient man in kurzer Zeit viel Geld. Bei mir waren es in den 13 Jahren meiner Profi-Karriere etwa 20 Millionen Dollar. Während meiner aktiven Zeit habe ich die Anlage meines Vermögens anderen überlassen, gerade als junger Spieler konzentrierst du dich nur auf den Sport. Du trainierst, isst und schläfst. Mehr nicht. Dabei habe ich mich eigentlich immer für Finanzen interessiert. Nach meinem Karriereende habe ich deshalb beschlossen, mich selbst zu kümmern. Ich fing an, mich zu informieren, las Wirtschaftsseiten im Internet. Ich wollte herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, Geld anzulegen.  

DAS INVESTMENT: Haben Sie sich jemals verzockt?

Edberg: Richtig viel Geld verloren habe ich nicht. Anders als auf dem Tennisplatz bin ich beim Geldanlegen nicht aggressiv, sondern eher vorsichtig. Aber seit der Dotcom-Blase, bei der ich doch recht stark in Aktien investiert war, glaube ich an Diversifikation. Und in der jetzigen Krise bin ich damit bisher ganz gut gefahren.

DAS INVESTMENT: Wie legen Sie Ihr Geld an?

Edberg: Ich lebe in Växjö auf einem eigenen Bauernhof mit Waldstück, bei dem ich die Felder verpachte. In der Nähe habe ich außerdem Mietshäuser gekauft. Recht viel Geld habe ich auch in Unternehmensanleihen gesteckt, vor allem aus Schweden. In der aktuellen Schuldenkrise fühle ich mich auf jeden Fall wohler dabei, einer gut aufgestellten schwedischen Bank mein Geld zu geben, als in Staatsanleihen zu investieren.  

DAS INVESTMENT: Einen Teil Ihres Vermögens haben Sie auch in die Fonds Ihrer Vermögensverwaltung Case Asset Management gesteckt.

Edberg: Richtig. Ich habe Case 2004 zusammen mit den ehemaligen Hedgefonds- Managern Bo Pettersson und Fredrik Svensson gegründet. Pettersson kenne ich seit über 20 Jahren, er hat in den 80er Jahren einen Teil meines Vermögens verwaltet und mir viel zum Thema Geld beigebracht. Jetzt habe ich den Dreh raus und darf als Partner mitreden, wenn es um Anlageentscheidungen geht. Auf der einen Seite haben wir den Case-Fonds, der hauptsächlich auf Aktien ausgerichtet ist. Auf der anderen Seite gibt es Safe Play, der den Fokus auf Unternehmensanleihen legt. Und Fair Play liegt dazwischen und mischt Aktien und Unternehmensanleihen. Bei allen drei Produkten gilt aber: Wir bleiben bei Unternehmen aus Nordeuropa.  

DAS INVESTMENT: Wegen der Schuldenkrise, die die nördlichen Länder nicht so stark trifft?

Edberg:
Das ist auch ein Grund. Aber darüber hinaus sehen wir hier und vor allem in Schweden viele gute Anlagemöglichkeiten. Der schwedische Bond-Markt ist im Vergleich zum deutschen winzig. Außerdem gibt es die Anleihen nur „over the counter“, also außerhalb der Börse. Das heißt, man braucht gute Kontakte – und Geld. Anders als bei Aktien, die man für recht wenig Einsatz bekommt, muss man für Anleihen hier mehrere Hunderttausend Euro hinlegen. Das kann nicht jeder, da sehen wir unseren Mehrwert.