Extra 09/17 Roundtable „Keine Hauruck-Aktionen im Portfolio“

Die Teilnehmer (von links): Jürgen Kultscher, ARTS Asset Management, ein Unternehmen der C-Quadrat Gruppe; Steffen Blaudszun, Gothaer Asset Management; Tobias Spies, Huber, Reuss& Kollegen; Klaus-Dieter Erdmann, funds excellence | © Piotr Banczerowski

Die Teilnehmer (von links): Jürgen Kultscher, ARTS Asset Management, ein Unternehmen der C-Quadrat Gruppe; Steffen Blaudszun, Gothaer Asset Management; Tobias Spies, Huber, Reuss& Kollegen; Klaus-Dieter Erdmann, funds excellence Foto: Piotr Banczerowski

DAS INVESTMENT: Als wir vor einem Jahr anlässlich der funds excellence diskutiert haben, hatte gerade das Brexit-Referendum stattgefunden. Im November 2016 wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Reagieren Sie im Fondsmanagement direkt auf politische Ereignisse?

Jürgen Kultscher: Nein, unser trendfolgendes System ist eher mittel- bis langfristig aufgestellt. Das hat gute Gründe: Am Tag nach der Trump-Wahl hat der deutsche Aktienmarkt 4 Prozent im Minus geöffnet und am Abend 1 Prozent im Plus geschlossen. Sind Systeme zu kurzfristig eingestellt, kann so schnell ein ungünstiges Timing dabei herauskommen. Das ist kein kleines Risiko in Zeiten, in denen die Volatilitäten an den Märkten nicht zuletzt aufgrund von politischen Ereignissen zunehmen.

Steffen Blaudszun: Das sehen wir ähnlich. Unsere Fonds waren bei der zurückliegenden Rally am US-Aktienmarkt nicht mit dabei, weil der kräftige Kursanstieg fundamental aus unserer Sicht nicht begründet war. Dafür hatten wir europäische Aktien stärker allokiert. Unsere strategische Asset Allokation ist langfristig ausgerichtet, darauf folgen dann die taktische Allokation sowie die Zielfonds- und Managerauswahl. Hauruck-Aktionen im Portfoliomanagement sind da nicht angesagt.

Tobias Spies: Für uns bieten solche Börsentage, an denen die breite Masse der Anleger in eine Richtung marschiert, eher die Chance, antizyklisch zu agieren. Unsere grundsätzliche Haltung wird dabei nicht infrage gestellt. Für die Fixed-Income-Seite bedeutet dies, dass wir uns immer fragen, ob Unternehmen oder Staaten ihre Schulden zurückzahlen können. Und auf der Aktienseite ist entscheidend, ob bei Unternehmen dauerhaft strukturelles Wachstum zu erwarten ist. Das alles ändert sich mit der Wahl eines Donald Trump nicht sofort.

Wie ist das zurückliegende Jahr für vermögensverwaltende Fonds gelaufen?

Klaus-Dieter Erdmann: Das hing unter anderem von der Kategorie ab, der die Fonds angehörten. Es gab Vertreter, die eher langfristig orientiert und sehr vor sichtig agieren, und andere, die sich mit Blick auf das erwartete Ergebnis der USWahlen verspekuliert hatten. Das konnte die Jahres-Performance kosten. Probleme hatten aber vor allem die Fonds, die als neues Allheilmittel gehandelt worden sind: also Absolute-Return-Fonds. Sie litten besonders unter den schwer vorhersagbaren Ereignissen des letzten Jahres und produzierten in Summe Verluste, die bei den meisten vermögensverwaltenden Strategien so nicht eingetreten sind.