EZB bremst Anleihekäufe Aktien bleiben die erste Wahl

Thomas Heidel, Research-Leiter bei Vidal, stellt mit Blick auf die EZB-Politik fest, dass Anleger mehr Risiko wagen sollten.   | © Vidal

Thomas Heidel, Research-Leiter bei Vidal, stellt mit Blick auf die EZB-Politik fest, dass Anleger mehr Risiko wagen sollten. Foto: Vidal

Die Europäische Zentralbank stützt seit Jahren mit umfangreichen Anleihekäufen die Eurozone. Doch jetzt ist die Wirtschaft in Europa in Schwung gekommen. Im dritten Quartal 2017 ist das Bruttoinlandsprodukt und der inflationsbereinigte Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen in der Eurozone um 2,5 Prozent gestiegen.

Die Industrieproduktion gewinnt deutlich an Fahrt, die Arbeitslosenrate hat die Marke von neun Prozent unterschritten, nur bei der Inflation hapert es noch. Die Verbraucherpreisentwicklung betrug im Oktober nur 1,4 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent.

Langsamer und vorsichtiger Umschwung

Die Abkehr vom Krisenmodus vollzieht die EZB daher nur sehr langsam und vorsichtig. Der aktuelle negative Einlagensatz („Strafzins“) für Banken bei der Europäischen Zentralbank von aktuell minus 0,4 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz von 0,25 Prozent bleiben unverändert.

Allerdings wird das bis Ende des Jahres laufende Anleihekaufprogramm der EZB mit einem derzeit monatlichen Volumen von 60 Milliarden Euro ab 2018 bis mindestens Ende September verlängert, aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Die EZB behält sich die Möglichkeit vor, die Anleiheaufkäufe im Hinblick auf Dauer und Volumen zu erhöhen, wenn sich der konjunkturelle Ausblick eintrübt oder sich die Finanzierungsbedingungen derart verschlechtern, dass das Erreichen des Inflationsziels der EZB in Gefahr geraten könnte.

Die Rückkaufmaßnahmen für Anleihen sollen laut EZB auf jeden Fall so lange andauern, bis „der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht“. Dass die EZB auch weiterhin Liquidität in die Märkte pumpt, wird auch durch die erstmalige Aussage von EZB-Chef Mario Draghi unterstützt, dass die Erlöse aus auslaufenden Anleihen in den Kauf neuer Anleihen reinvestiert werden.

Anders als bei der aktuellen Geldpolitik der US-Notenbank sei nicht geplant, dass der Bestand an Anleihen im EZB-Portfolio auf absehbare Zeit sinken werde. Die EZB bekräftigte ihr Versprechen, die Leitzinsen noch für längere Zeit und auch weit nach dem Abschluss des Anleihekaufprogramms auf dem äußerst niedrigen Niveau zu belassen. Die EZB sieht auf mittlere Sicht noch die Notwendigkeit für eine „große geldpolitische Unterstützung“.

Umstrittene Niedrigzinsen

Die extreme langandauernde Niedrigzinspolitik der EZB war gerade in Deutschland besonders umstritten. Clemens Fuest, der Präsident des ifo-Instituts, sieht zwar die Reduzierung der Anleihekäufe als Schritt in die richtige Richtung zur Normalisierung, die Anpassungsgeschwindigkeit aber als zu langsam an. Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft, erwartet von der EZB, dass die Anleihekäufe im zweiten Halbjahr 2018 komplett eingestellt werden und dann frühestens 2019 die erste Zinserhöhung stattfindet.