EZB-Geldpolitik „In Europa drohen japanische Verhältnisse“

„Es drohen japanische Verhältnisse, wo die Nullzinsphase bereits seit 25 Jahren andauert“, warnt Hans-Jürgen Friedrich. „Denn die hohen Schuldenberge bei den europäischen Staaten und 'systemrelevanten' Industrieunternehmen, erschweren eine Zinswende zusätzlich.“ | © unsplash.com / Getty Images

„Es drohen japanische Verhältnisse, wo die Nullzinsphase bereits seit 25 Jahren andauert“, warnt Hans-Jürgen Friedrich. „Denn die hohen Schuldenberge bei den europäischen Staaten und 'systemrelevanten' Industrieunternehmen, erschweren eine Zinswende zusätzlich.“ Foto: unsplash.com / Getty Images

Hans-Jürgen Friedrich ist Vorstand der Düsseldorfer KFM Deutsche Mittelstand AG, deren Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds aktuell erstmals ein Fondsvolumen von mehr als 50 Millionen Euro überschreitet.

Die Sitzung der europäischen Zentralbank im Mai machte klar: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Nullzins-Politik fest. Die Zinsen in Europa werden frühestens ab 2019 steigen.

Die EZB ist weiter bereit „das QE-Programm in Umfang und/oder Dauer auszuweiten, sollten sich die Inflationsaussichten oder die Finanzierungsbedingungen verschlechtern“, ließ Draghi verlauten.

Der EZB-Präsident betonte sogar, dass man im Zweifel durchaus die Zinsen auch noch mal senken könnte. Es dürfte also noch einige Zeit dauern, bis die Notenbank tatsächlich erste konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Zinsen wieder in eine andere Richtung zu lenken.

Markt für Unternehmensanleihen verzerrt

Am 8. Juni 2016 startete die EZB den Ankauf von Unternehmensanleihen unter dem „Corporate Sector Purchase Programme“ (CSPP) getauften Programm. Zum 22.06.2017 veröffentlichte die EZB den aktuellen Stand zu den gekauften Wertpapieren.

Sie weist einen Bestand von 952 Wertpapieren mit einem Wert von 93,7 Milliarden Euro in ihren Büchern aus. Sie hat damit die Finanzierung von Konzernen in Europa direkt übernommen.

Der Bestand von Wertpapieren aus Frankreich und Deutschland machen 55 Prozent aus, gefolgt von Italien (11 Prozent), Spanien (10 Prozent) und den Niederlanden (7 Prozent).

52 Prozent der Anleihen mit BBB-Rating

Eine detaillierte Betrachtung des gekauften Wertpapierbestandes macht aber auch deutlich, mit welcher Bonität die Papiere ausgestattet sind. 52 Prozent der Unternehmensanleihen sind mit einem BBB-Rating beurteilt worden. Und der Bericht macht auch erkennbar, dass die EZB nicht nur am Sekundärmarkt die Anleihen erworben hat. Sie kaufte die Anleihen auch im großen Umfang am Primärmarkt.

Spätestens jetzt haben viele institutionelle Anleger die Bestätigung für Ihre Vermutung in der Vergangenheit, dass die EZB mit ihren Aufkäufen eine deutliche Wettbewerbsverzerrung verschuldet hat. Der Einfluss der Notenbank hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Renditen bei Unternehmensanleihen auf historische Tiefststände gefallen sind und dass es für Investoren immer schwerer geworden ist, Papiere im Investmentgrade zu erwerben.

Die großen Konzerne werden es der EZB danken. Denn sie haben die Möglichkeiten genutzt und sich mit sehr preiswerten Finanzierungsmitteln eingedeckt. Es drohen japanische Verhältnisse, wo die Nullzinsphase bereits seit 25 Jahren andauert. Denn die hohen Schuldenberge bei den europäischen Staaten und „systemrelevanten“ Industrieunternehmen, erschweren eine Zinswende zusätzlich.