EZB-Leitzins unverändert „Die Euro-Entwertung geht weiter“

Entwicklung des Realzinses in der Eurozone: Der Rat der EZB hat auf seiner Sitzung am Donnerstag entschieden, den Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft, den Einlagesatz sowie den Spitzenrefinanzierungssatz unverändert zu lassen. | © Degussa Goldhandel

Entwicklung des Realzinses in der Eurozone: Der Rat der EZB hat auf seiner Sitzung am Donnerstag entschieden, den Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft, den Einlagesatz sowie den Spitzenrefinanzierungssatz unverändert zu lassen. Foto: Degussa Goldhandel

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel

Von Januar bis Ende September 2018 – möglicherweise sogar darüber hinaus – will die Europäische Zentralbank (EZB) Anleihen für 30 Milliarden Euro pro Monat kaufen.

Die Zinsen bleiben also extrem niedrig, obwohl die Konjunktur anzieht, und die Kredit- und Geldmengen im Euroraum wieder wachsen und höhere Inflation der Konsumentenpreise erwarten lassen. (Die EZB selbst prognostiziert eine Inflation von weniger als 2 Prozent bis 2020, stellt sich also selbst eine Unbedenklichkeitserklärung aus für ihre andauernde Niedrig- und Negativzinspolitik!)

Fehlentwicklungen durch Niedrigzinsen

Die Preise für Immobilien haben bereits angezogen: Im Euroraum stiegen sie im zweiten Quartal 2017 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, in Deutschland waren sie Mitte 2017 um 6 Prozent höher als im Vorjahr.

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Wer in Bankeinlagen spart, erleidet folglich weiterhin Verluste: Die zweijährigen Zinsen nach Abzug der Inflation der Konsumentenpreise lagen im Oktober 2017 bei mehr als minus 2 Prozent! Für viele Sparer geht also die kalte Enteignung weiter.

Die künstlich niedrig gehaltenen Euro-Zinsen sorgen zwar für eine positive konjunkturelle Erholung im Euroraum, gleichzeitig stellen sich jedoch durch sie Fehlentwicklungen ein.

Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise und eine wachsende Abhängigkeit der Schuldner von extrem niedrigen Zinsen.

Die fortgesetzte Niedrig- und Negativzinspolitik befördert – und das sollte man nicht übersehen – die Entwicklungen, die aus einem Boom früher oder später einen „Bust“ werden lassen.

Das Festhalten der EZB an ihrer Niedrig- und Negativzinspolitik erklärt sich vermutlich durch das Bestreben, Staaten und Banken subventionieren und insbesondere deren reale Schulden (mittels negativem Realzins) entwerten zu wollen.

Abschließend sei gesagt, dass das Gold sich für langfristig orientierte Anleger aus dem Euroraum zur Wertaufbewahrung bewährt hat – und angesichts des aktuellen Preises eine attraktive Versicherung für das Vermögensportfolio bleibt: denn mit Wertverlust des Euro nach innen und außen ist zu rechnen.