EZB-Treffen Draghi löst Yellen als globalen Risikowächter ab

Mario Draghi wird zur neuen ersten Verteidigungslinie der Weltwirtschaft. Foto: Getty Images

Mario Draghi wird zur neuen ersten Verteidigungslinie der Weltwirtschaft. Foto: Getty Images

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Mario Draghi wird zur neuen ersten Verteidigungslinie der Weltwirtschaft, ob er will oder nicht.

Da seine amerikanische Amtskollegin Janet Yellen für diesen Monat eine Zinserhöhung der Federal Reserve vorbereitet, wird der Präsident der Europäischen Zentralbank im Kampf gegen die weltweit schwache Inflation die Vorreiterrolle einnehmen. Die neue Welle monetärer Impulse, die am Donnerstag erwartet wird, dürfte die beste Chance für einen dringend benötigten Anstoß des Verbraucherpreisauftriebs sein.

Wenn die EZB ihren geldpolitischen Kurs für die 19 Euro-Mitgliedstaaten festlegt, dürfte sie damit auch das Tempo anderer Notenbanken bestimmen. Das würde die monetäre Ausrichtung weltweit in einem Umfeld minimalen Preisdrucks akkommodierend belassen, selbst wenn die Fed ihre erste Straffung seit neun Jahren vornehmen sollte.

„Wir erwarten, dass die EZB nun das Zepter des primären ‚Risikomanagers’ unter den Zentralbanken weltweit übernehmen wird, was die Abwärtsrisiken" für die Wirtschaft angeht, sagte Krishna Guha, Vize-Chairman von Evercore ISI in Washington. „Das ist ein bahnbrechender Wandel."

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Zinssenkung

Der 25-köpfige EZB-Rat gibt seine Zinsentscheidung am Donnerstag um 13.45 Uhr MEZ in Frankfurt bekannt. Draghi hält 45 Minuten später eine Pressekonferenz ab, auf der neue Maßnahmen angekündigt werden könnten.

Die Anleger erwarten Taten und preisen die Wahrscheinlichkeit einer Senkung des Einlagensatzes um zehn Basispunkte mit 100 Prozent ein, zeigen Berechnungen von Bloomberg auf Basis von Eonia-Futures. Eine Absenkung um 15 Basispunkte gilt zu 81 Prozent als wahrscheinlich. Der EZB- Einlagensatz liegt derzeit bei minus 0,2 Prozent.

Alle befragten Ökonomen rechnen mit einer Ausweitung der Konjunkturimpulse, wobei eine Verlängerung oder eine Ausweitung des 1,1 Billionen Euro schweren Anleihekaufprogramms als Möglichkeiten genannt wurden, ergab eine in dieser Woche veröffentlichte Umfrage von Bloomberg.

Auch wenn sich die Erholung in der Eurozone festigt, wie eingehende Daten belegen, wird sich Draghi gegen eine weiterhin zu niedrige Inflationsrate absichern wollen, erwartet Guha und verweist auf die strauchelnden Schwellenmärkte und zunehmende geopolitische Sorgen. Das würde der Denkweise der Fed folgen, die mit drei Runden quantitativer Lockerung ein Wachstum der US- Wirtschaft garantierte.